Vom Kleinbetrieb zur Labor-Holding

- Oberhummel - Labore gibt's in Deutschland viele. Meist kleine Familienunternehmen oder Mini-GmbHs, die nur einen kleinen Ausschnitt des weiten Analytik-Spektrums bedienen. Und genau so hat auch Agrolab 1986 in Oberhummel (Kreis Freising) begonnen. Heute ist man eine Holding und nach Fresenius die zweitgrößte Laborgruppe in Deutschland, beschäftigt rund 350 feste Mitarbeiter und bietet deutschlandweit an acht Standorten seine gefragten Analyse-Dienste an.

<P>Paul Wimmer, Gründer und Geschäftsführer von Agrolab, und als solcher ver-antwortlich für den Aufstieg vom Fünf-Mann-Betrieb zum erfolgreichen Mittelstandsunternehmen, beschreibt die fünf Bereiche, in denen die Labors der Holding tätig sind. Einen großen Anteil nehmen landwirtschaftliche Untersuchungen ein: Gesetzlich vorgeschriebene Bodenuntersuchungen zur Feststellung des Nährstoffhaushaltes und des Düngemitteleinsatzes stehen ganz oben auf der Agenda.</P><P>Spezialität der Laborgruppe ist, wie sich das für ein bayerisches Unternehmen gehört, die Hopfen-Untersuchung. Für einen sehr hohen Prozentsatz des grünen Goldes, das aus der Hallertau stammt, legt das unabhängige Labor die Qualität und damit die Bezahlung der Hopfenbauern fest. Hinzu kommen Düngemittel-Untersuchungen, die dem Landwirt und dem Verbraucher Schutz gewähren.</P><P>Als einziges anerkanntes unabhängiges deutsches "Saatgutanerkennungslabor" hat man sich auch mehr und mehr mit Genveränderungen zu beschäftigen. Und auch bei der Aussaat von konventionellem Raps ist durch die Fremdbefruchtung mit genveränderten Produkten zu rechnen, so Wimmer.</P><P>Zweiter Kernbereich: Kommunal-Analytik. Das umfasst Trinkwasser, Abwasser und Klärschlamm. Den dritten Bereich bilden Umwelt-Untersuchungen: Altlasten und Schadstoffe in Böden, die Deponie-Überwachung, die Festlegung von Entsorgungswegen bei Lagerstätten-Sanierung und Abrissen. Der vierte Großbereich heißt Lebensmittel-analytik: "Alles, was es so gibt", kommt laut Wimmer zur Untersuchung in die Labors, wobei man im Auftrag des Staates amtliche Futtermittelkontrollen durchführt aber auch Aufträge von Lebensmittelherstellern.</P><P>Weit nördlich von Oberhummel, in Kiel, findet sich eine weitere Spezialität der Agrolab-Holding: Radiochemische Analytik. Dort wird Importware aus dem Osten auf radioaktive Strahlung untersucht. Man ist auch Landesmess-Stelle für Schleswig-Holstein zur Überwachung der Kernkraftwerke, der Gewässer und Böden - eine Regelung, die Wimmer durchaus für sinnvoll hält. Staatliche Aufgaben sollten noch mehr privatisiert werden, um Kontrolle und Vollzug zu trennen. </P><P>Dass dabei der Staat strenge Rahmenbedingungen aufstellt, um schwarze Schafe auszusondern, versteht sich für den Chef von 350 Mitarbeitern (darunter 20 Prozent Vollakademiker und 60 Prozent technisches Personal) von selbst. Nur ein Problem plagt Wimmer gerade am Standort Oberhummel: Die in der Saison von August bis Oktober notwendigen Hilfskräfte sind in der Flughafenregion nicht so leicht zu bekommen. Dabei hat Agrolab stets Bedarf an zuverlässigen Leuten, z. B, zum Flaschen spülen und für Arbeiten im Lager.</P><P>Dabei ist die spätere Übernahme von Schülern und Studenten, die in den Ferien im Laborbereich arbeiten, nicht ausgeschlossen.</P>

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