Kleine Insel Malta kommt mit Finanzkraft zur EU

- Rom/Valletta - Als sich die Malteser im vergangenen März bei einer Volksabstimmung mit knapper Mehrheit für den EU-Beitritt entschieden, feierten tausende Menschen in den Straßen der Hauptstadt Valletta. Die ehemalige britische Kolonie hatte sich bereits 1990 um die Mitgliedschaft beworben und wird nun dank des unermüdlichen Einsatzes von Ministerpräsident Eddie Fenech Adami 2004 der EU beitreten.

<P>Fenech Adami (69) und die nationalistische Partei sind seit Jahren der Ansicht, dass die Mitgliedschaft Maltas angesichts der zunehmenden Globalisierung von entscheidender Bedeutung für das wirtschaftliche Wachstum der Insel sein wird. "Es gibt keine Alternative zu Europa", sagt der Politiker.</P><P>Obwohl Malta im Herzen des Mittelmeers liegt, ist der Fischfang auf der Insel unbedeutend. Da die Insel samt ihren kleineren Schwestern Gozo und Comino zudem nicht auf Rohstoffe setzen kann und Landwirtschaft kaum möglich ist, setzt die Regierung hauptsächlich auf den Tourismussektor und die Produktion von Exportgütern. Der Staat erkannte früh, dass eine angemessene Infrastruktur für den Tourismus aufgebaut werden musste und behielt Recht: Der Sektor macht heute ein Viertel der gesamten Wirtschaftsleistung aus, alljährlich kommen über eine Million Urlauber auf die Insel.</P><P>Weitere Wirtschaftszweige des zukünftigen EU-Mitglieds sind Finanzdienstleistungen, Lohnveredelung, Werften und der öffentliche Sektor. Malta bietet zudem vielfache Anreize zur Ansiedlung ausländischer Produktionsstätten. Einer der Vorreiter war der deutsche Playmobil-Hersteller Brandstätter, der schon Ende der 60er Jahre auf Malta investierte. Heute beschäftigt seine Fabrik auf der Insel über 750 Mitarbeiter. Insgesamt fast 200 ausländische Firmen setzen mittlerweile auf Maltas gute Standortbedingungen, darunter allein 60 Unternehmen aus Deutschland. Dies sei vor allem ein Verdienst der 1967 gegründeten Malta Development Corporation (MDC), loben Anleger.</P><P>Die Insel gilt als das reichste der neuen EU-Beitritts-Länder. Die Arbeitslosenquote lag 2002 bei 6,9 Prozent. Die Wirtschaft wuchs laut EU-Kommission zwischen 1997 und 2001 um 3,4 Prozent. Jedoch kämpfte Malta jahrelang mit einem Haushaltsdefizit von bis zu zehn Prozent. Auch in diesem Jahr wird es mit rund sieben Prozent viel zu hoch sein. </P><P>Selbst der blühende Tourismus lässt mittlerweile kaum noch Spielraum für weiteres Wachstum. Mit nur 316 Quadratkilometern Fläche ist die Inselgruppe einfach zu klein, was langfristig zu Platzproblemen führt. Schon heute ist Malta mit 1200 Einwohnern pro Quadratkilometer das am dichtesten besiedelte Land in Europa. Deshalb haben die Malteser bei den Beitrittsverhandlungen unter anderem durchgesetzt, dass Bürger anderer EU-Staaten in den ersten sieben Jahren der EU-Mitgliedschaft um eine Genehmigung ersuchen müssen, um sich auf der Insel niederlassen zu können. <BR><BR></P>

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