Kleine Schritte gegen große Lehrstellen-Not

- München - Bayerns Betriebe sollen mehr ausbilden: Zum Tag der Ausbildung haben etliche Spitzenpolitiker im Freistaat von der Wirtschaft mehr Einsatz angemahnt. Die Ausbildungsbereitschaft dürfe nicht nachlassen, warnte Sozialministerin Christa Stewens bei einem Firmenbesuch in ihrer Heimatgemeinde Poing.

Ende Mai hatten in Bayern noch 37 700 Jugendliche keine Lehrstelle - knapp 13 % mehr als im Vorjahr. Die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze lag dagegen weit unter dem Vorjahreswert.<BR><BR>Somit standen nach Angaben des Landesarbeitsamtes jeweils 100 übrigen Bewerbern nur 59 freie Stellen gegenüber. Im Mai 2002 lag das Verhältnis noch bei 100 zu 89. "Bayern steuert in weiten Teilen auf eine Ausbildungskatastrophe zu", sagte SPD-Fraktionschef Franz Maget.<BR><BR>Dem widersprach Ludwig Hagn. Der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbands sagte, er glaube, "dass wir am 1. Oktober alle Auszubildenden untergebracht haben". Er übergab symbolisch 300 freie Lehrstellen an den Wirtschaftsminister. Otto Wiesheu nannte die Lehrstellen-Lage "kritisch", warnte aber erneut vor einer Ausbildungsplatzabgabe.<BR><BR>Die Staatsregierung und die Verbände der bayerischen Wirtschaft hatten die Initiative "Ausbilden in Bayern - unsere Zukunft: 1 +" ins Leben gerufen. "1 +" bedeutet, dass jeder Betrieb möglichst eine Lehrstelle zusätzlich schaffen soll. Die Verbände übernehmen zu diesem Zweck 90 % der Ausbildungskosten.<BR><BR>In der bayerischen Metall- und Elektroindustrie sollen in diesem und im kommenden Jahr 1100 neue Lehrstellen geschaffen werden. 130 Unternehmen bieten bereits jetzt knapp 500 neue Ausbildungsplätze an - 51 davon in Oberbayern. Die weiteren 450 neuen Ausbildungsplätze entstehen in eher strukturschwachen Regionen des Freistaats, wie Ludwig Baur, Geschäftsführer des Branchenverbands, hervorhob.<BR><BR>Die Initiative wurde gestern im Ausbildungszentrum von Krauss Maffei in München vorgestellt. Die Firma stellt demnächst fünf "1 +"-Auszubildende ein und bietet damit im Herbst 237 Lehrstellen an. "Das werden keine Azubis zweiter Klasse sein. Sie haben die vollen Rechte und Pflichten", sagte Krauss Maffei-Geschäftsführer Henning Scheele.

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