Kleine trotzen den Großen: Brauereienvielfalt weitgehend erhalten

Nürnberg/München - Trotz des rückläufigen Biermarktes und des Verdrängungswettbewerbs der großen Konzerne hat sich die Brauereienvielfalt in Bayern noch weitgehend erhalten. Zwar ist die Zahl der Braustätten im Freistaat in den vergangenen zehn Jahren um knapp 100 auf rund 620 zurückgegangen. Damit hat aber immer noch fast jede zweite deutsche Brauerei ihren Sitz in Franken, Ober- und Niederbayern, Schwaben oder der Oberpfalz.

Die Palette reicht vom kleinen Familienbetrieb mit 1000 Hektolitern pro Jahr bis hin zu den bekannten Namen wie Paulaner, Kulmbacher, Erdinger und Oettinger, der mittlerweile größten Einzelmarke Deutschlands. In ihrer neuen Braustätte im schwäbischen Landkreis Donau-Ries produziert Oettinger nach eigenen Angaben rund 4,2 Millionen Hektoliter für den gesamten süddeutschen Markt. Mit weiteren Braustätten in Mönchengladbach, Gotha, Dessow und Schwerin bringt es Oettinger bundesweit auf rund 6,4 Millionen Hektoliter.

Im Unterschied zu den massiv auf Fernsehwerbung setzenden Marken verzichtet Oettinger auf aufwändige und teure Werbung ebenso wie auf eine eigene Gastronomie. Der Vertrieb erfolgt ausschließlich über den Lebensmitteleinzelhandel und den Getränkefachhandel. "Damit sparen wir Kosten, von denen der Verbraucher profitiert", beschreibt Firmenchef Dirk Kollmar die Philosophie seines Hauses. Wie für die kleinen und großen Konkurrenten gilt auch für die Brauerei Oettinger das deutsche Reinheitsgebot.

Im WM-Jahr 2006 setzten Bayerns Brauer nach Angaben des Brauerbundes insgesamt gut 22,8 Millionen Hektoliter Bier ab. Das leichte Plus von 0,6 Prozent beruht jedoch ausschließlich auf dem Export, der mit 2,9 Millionen Hektolitern jetzt 12,7 Prozent des Gesamtabsatzes ausmacht.

Die kleinen und mittleren Brauereien setzen dagegen auf die steigende Nachfrage nach Produkten aus der jeweiligen Region. "So können wir uns mit einem guten Marketing am Markt behaupten", sagt der Präsident der Verbandes Privater Brauereien, Gerhard Ilgenfritz. Der "Bräu vor Ort" profitiert auch von der Markentreue der Freunde des edlen Gerstensaftes und der gewaltigen Vielfalt der Bierlandschaft im Freistaat mit rund 5000 Sorten.

Bayerns Biertrinker haben auch ihren eigenen Geschmack. Während die Norddeutschen überwiegend das etwas bitterere Pils bevorzugen, lieben die Bayern etwas lieblichere Biere wie Weizen und Helles. Bundesweit dominiert das Pils mit einem Marktanteil von 60,3 Prozent. In Bayern liegt Pils mit nur 26,1 Prozent nur noch knapp vor dem Hellen mit 25,3 Prozent. Jeder fünfte Bayer trinkt am liebsten ein Weizenbier. Bundesweit liegt der Weizen-Anteil dagegen nur bei 8,7 Prozent. Das etwas kräftigere Exportbier liegt in ganz Deutschland mit 12,5 Prozent auf Rang zwei, in Bayern mit 14,0 Prozent auf Rang vier.

Angesichts steigender Rohstoff- und Energiepreise seien die Perspektiven für die mittelständische Brauwirtschaft langfristig alles andere als rosig, betont der Präsident des Bayerischen Brauerbundes, Michael Weiß. Er sieht zwar die Bereitschaft der Bierfreunde, für gute Produkte einen ordentlichen Preis zu zahlen. Allerdings beklagt der Verbandschef auch eine im Vergleich zum Wein schwach ausgeprägte Kultur- und Imagepflege beim Thema Bier.

In der Fachzeitschrift "Brauwelt" forderte Weiß jüngst eine "Kultivierungsoffensive" für das Genussmittel Bier. Bier müsse "den Teufelskreis billiger Beliebigkeit überwinden", betonte Weiß. "Wir müssen dem Konsumenten unser Kulturgut Bier erklären, es spannend machen, Unterschiede aufzeigen."

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