Kleines Job-Wunder nach Dornier

- Oberpfaffenhofen - Die Pleite nach der Pleite - es sind häufig keine guten Nachrichten, die aus Oberpfaffenhofen kommen. Doch fast im Verborgenen entwickelt sich aus den Resten von Fairchild-Dornier auch eine Erfolgsgeschichte, die von Ruag. Hier zittert keiner um seinen Job, im Gegenteil: Es werden neue Mitarbeiter eingestellt.

Die Luftfahrt-Tochter des schweizerischen Rüstungs- und Luftfahrtkonzerns hatte sich allerdings auch ein Filetstück des Werks in Oberpfaffenhofen gesichert: Die Airbus-Komponentenfertigung. Diese war eine Art Mitgift der damaligen Dasa für die verstoßene Tochter Dornier, die 1996 mit dem US-Flugzeugbauer Fairchild zwangsverheiratet wurde. Mit der Komponentenfertigung kam das Geld ins Unternehmen, das mittelfristig das Überleben sichern sollte.

Das zumindest gelang: Auch die Anlaufverluste der Regionalflugzeugproduktion sowie deren Weiterentwicklung zum Jet wurden erwirtschaftet. Und sogar ein Teil der Entwicklung des ehrgeizigen Regionaljet-Programms 728 kam herein. Als dessen Kosten aber ausuferten und gleichzeitig die Luftfahrtbranche nach dem 11. September 2001 in eine ernste Krise rutschte, zogen die Geldgeber sich zurück.

Über 2000 Tonnen Beton werden verbaut

Erst hinterher wurde sichtbar, dass das von Fairchild zuletzt eingesetzte Management das Werk in Oberpfaffenhofen darüber hinaus auch noch nach Kräften geplündert hatte. Doch zu jeder Zeit floss über die Airbus-Komponenten reichlich Geld ins Unternehmen.

Von Anfang an war deshalb klar, dass nach der Pleite für die Airbus-Fertigung nicht lange nach neuen Eigentümern gesucht werden musste. Doch erst nachdem feststand, dass kein einziger Investor Fairchild-Dornier als Ganzes haben wollte, kamen die Schweizer zum Zug.

Während die Reste des Jet-Programms 728 unter den Hammer kamen und beim Programm 328 nach der Pleite von Avcraft noch ein Retter gesucht wird (immerhin rund 170 Menschen sind hier noch beschäftigt), baut Ruag kräftig aus. Dabei profitiert das Unternehmen einerseits von den vollen Auftragsbüchern bei Airbus. Doch es hat sich auch einen größeren Teil des gesamten Airbus-Kuchens gesichert. Für die kleine Reihe A318 bis A321 kommt bisher das Heck des Rumpfes und die Bodengruppe um das Fahrwerk aus Oberpfaffenhofen. Jetzt hat Ruag auch noch einen zusätzlichen Auftrag für die Rumpfschale oberhalb der Tragflächen gewonnen. Allein die zusätzlichen Rumpfbaugruppen - ab Ende 2005 werden 30 Stück pro Monat gebaut, 30 Prozent mehr als Ende 2004 - schaffen einen zusätzlichen Personalbedarf von knapp 50 Beschäftigten oder 14 Prozent. Derzeit hat Ruag nach Angaben von Joachim Tannenberger, dem Geschäftsführer von Ruag Aerospaces Structures, in Oberpfaffenhofen 330 Mitarbeiter.

Dagegen schafft der zusätzlich errungene Auftrag zur Schalenmontage zunächst vor allem Beschäftigung in der bayerischen Bauindustrie. Das Fundament der neu zu installierenden Nietanlagen muss Präzisionsarbeit werden. Die beiden Fundamente sind 25 Meter lang, dürfen sich aber um nicht mehr als einen Zehntel Millimeter durchbiegen. Mehr als 2000 Tonnen Beton und 35 Tonnen Stahl werden dort noch heuer verbaut. Anschließend werden die Nietanlagen montiert. Die Produktion beginnt im Februar 2006. Ab Juli sollen dort zehn und ab November 20 Rumpfschalen monatlich gebaut werden können.

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