Ein kleines Vermögen vom Chef

München - Viele Arbeitnehmer haben Anspruch auf vermögenswirksame Leistungen von ihrem Chef. Doch nur eine Minderheit nimmt sie in Anspruch, der Rest verschenkt jeden Monat bares Geld.

Es ist eigentlich untypisch: Viele Deutsche verschenken jeden Monat Geld. Nur 15 Prozent der Haushalte nehmen die sogenannten vermögenswirksamen Leistungen (VL) in Anspruch, obwohl sie vielen Arbeitnehmern zustehen. Die Finanzspritze vom Chef ist in den Arbeits- und Tarifverträgen geregelt und fällt unterschiedlich hoch aus. Viele Banken zahlen beispielsweise 40 Euro pro Monat, Beamte bekommen nur 6,65 Euro. Doch auch diese Beträge wachsen über die Jahre zu erheblichen Summen an. Das Heft „Finanztest“ erklärt in seiner aktuellen Ausgabe daher noch einmal, wie man vermögenswirksame Leistungen bekommt und wie man das Geld am besten anlegt.

Die VL vom Arbeitgeber gibt es freilich nicht bar, das Geld muss angelegt werden. Sechs Jahre müssen die Beträge eingezahlt werden, dann folgt ein weiteres Jahr Wartezeit. Nach sieben Jahren kann der Sparer sein Geld ausgeben. In der Wartezeit des ersten Vertrages kann man bereits mit dem nächsten Sparplan beginnen.

Drei Schritte zur Finanzspritze

Wer nicht weiß, ob er Anspruch auf vermögenswirksame Leistungen hat, kann sich beim Betriebsrat oder der Personalabteilung des Arbeitgebers informieren. Anschließend sollte man als Arbeitnehmer prüfen, ob man mit dem eigenen zu versteuernden Einkommen zusätzlich Anspruch auf eine staatliche Förderung, wie die Arbeitnehmersparzulage oder die Wohnungsbauprämie, hat. Das zu versteuernde Einkommen ist deutlich niedriger als das Bruttoeinkommen, weil man davon zunächst alle steuerlich anerkannten Kosten, Pauschalen und Freibeträge abziehen darf. Danach, ob man Anspruch auf staatliche Förderung hat, richtet sich dann die Art der Anlage, die für den Einzelnen besonders geeignet ist.

Der Arbeitnehmer kann den Sparvertrag selbst aussuchen und abschließen. Die Überweisung muss aber der Arbeitgeber vornehmen. Den Betrag des Chefs kann der Sparer dann auch noch aufstocken. Das ist insbesondere dann sinnvoll, wenn der Zuschuss des Chefs die Mindestsumme der Wunschanlage nicht deckt. Außerdem ist es möglich, einen VL-Vertrag auch auf den Namen der eigenen Kinder abzuschließen. Das ist insbesondere dann sinnvoll, wenn man keinen Anspruch auf Geld vom Staat hat und der eigene Sparerpauschbetrag schon ausgeschöpft ist.

Sechs verschiedene Anlage-Formen

Je nach möglicher Förderung und persönlicher Risikobereitschaft kann man die vermögenswirksamen Leistungen in sechs unterschiedlichen Formen anlegen oder verwenden. Wer sein Geld hundertprozentig sicher anlegen will und ohnehin keine staatliche Förderung bekommt, kann auf einen Banksparplan zurückgreifen. „Finanztest“ hat hundert Banken angeschrieben, allerdings haben nur acht von ihnen einen Banksparplan im Angebot. Überregional aktiv sind nur drei Banken: die Degussa Bank, die Ziraat Bank und die ING-Diba. Am besten schnitt die Degussa Bank mit einer Renditeerwartung nach sieben Jahren von 3,48 Prozent ab.

Bausparen mit dem Geld vom Chef

Wer kein Riskio eingehen will, aber Anspruch auf staatliche Förderung hat, für den ist laut „Finanztest“ ein Bausparvertrag, in den die vermögenswirksamen Leistungen eingezahlt werden, besonders geeignet. Allerdings ist ein solcher Vertrag deutlich komplexer, so hängt die Rendite maßgeblich von der vereinbarten Bausparsumme ab. Wer älter als 25 ist und die Wohnungsbauprämie in Anspruch nimmt, muss das Geld am Ende der Laufzeit für sogenannte wohnungswirtschaftliche Zwecke ausgeben. Bei „Finanztest“ schnitt von sechs Bausparkassen die „Alte Leipziger“ am besten ab. Sie bietet bei einer Sparzeit von sieben Jahren und einem Beitrag von monatlich 40 Euro 3,0 Prozent Rendite, bei einem Beitrag von 83 Euro sogar 3,35 Prozent. Wer alle staatlichen Förderungen in Anspruch nehmen kann, darf auf die Rendite laut „Finanztest“ noch einmal zwei Prozentpunkte draufschlagen.

Mit der VL den Baukredit abzahlen

Wer schon gebaut hat, kann die vermögenswirksamen Leistungen auch nutzen, um den dafür aufgenommenen Kredit bei der Bank zu tilgen. Bei Bausparkassen ist das Aufstocken der monatlichen Tilgung um das Geld vom Chef laut „Finanztest“ meist kein Problem. Bei Banken und Sparkassen kommt es auf den Kreditvertrag an. Beim Arbeitgeber reicht es, den Darlehensvertrag vorzulegen, um die VL zu bekommen.

Der Fondssparplan für Risikofreudigere

Wer etwas mehr Risiko eingehen möchte, kann das Geld auch in einen Aktienfondssparplan investieren. Hier sind die Renditeschancen höher, der Wert der Anteile kann aber auch ins Minus rutschen. In der Bewertung von „Finanztest“ schneiden die Fonds „DWS Deutschland“, „Pioneer German Equity“ und „Allianz RCM Wachstum Europa A“ am besten ab.

Die vermögenswirksamen Leistungen lassen sich auch in eine betriebliche Altersvorsorge investieren. Der Vorteil: Man muss nicht alle sechs Jahre einen neuen Vertrag abschließen und kann Steuern sparen. Der Nachteil: Man kommt erst im Rentenalter an das Geld.

Die sechste Möglichkeit der Anlage ist eine klassische Lebensversicherung. Auch hier gibt es keine staatlichen Förderungen, dafür aber unter Umständen geringe steuerliche Vorteile. Allerdings handelt es sich um ein relativ unflexibles Produkt, bei dem man gegebenenfalls nur mit Verlusten vorzeitig aussteigen kann. Die Rendite hängt von der Höhe der Überschussbeteiligung ab, die es neben dem garantierten Mindestzins gibt.

Philipp Vetter

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