Kleinfeld verspricht: Siemens so stark aufgestellt wie nie zuvor

- München -­ Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hatte eine gewichtige Botschaft zu verkünden: "Wir waren noch nie so stark aufgestellt wie jetzt", erklärte er gestern zur Jahresbilanz des Münchner Elektrokonzerns. Doch diese Nachricht hatte mit dem Reizwort "BenQ" starke Konkurrenz: Die Pleite der ehemaligen Handy\-sparte hat inzwischen negative Folgen für andere Siemens-Bereiche.

Kleinfeld wollte es schnell hinter sich bringen. Bevor er über die Entwicklung von Siemens im vergangenen Geschäftsjahr referierte, widmete er sich dem Thema BenQ. Der taiwanische Konzern hatte die Handysparte der Münchner mit 3000 Mitarbeitern nur ein Jahr nach der Übernahme von Siemens in die Pleite geschickt ­ und damit das Ansehen von Kleinfeld und seinem Unternehmen ruiniert. BenQ-Mitarbeiter und Gewerkschaft unterstellten Siemens, das Desaster zumindest in Kauf genommen zu haben.

Kleinfeld verteidigte nun erneut das Vorgehen. "Vieles sprach für BenQ", betonte er und versicherte: "Die Insolvenz hat uns sehr überrascht. Die Entwicklung hat uns betroffen gemacht." Deshalb sei man mit 35 Millionen Euro für einen Hilfsfonds "als Erste aktiv geworden". Mittlerweile seien 27 ehemalige BenQ-Beschäftigte bei Siemens eingestellt und 88 Auszubildende übernommen worden. Für hunderte weitere Mitarbeiter laufe das Bewerbungsverfahren. Zudem soll im neuen Jahr eine Beschäftigungsgesellschaft den Betrieb aufnehmen, die die BenQ-Opfer bei Bewerbungen und Qualifikationen unterstütze. "Ich bin sehr optimistisch, dass es ab 1. Januar zu einer solchen Gesellschaft kommt, die für ein Jahr läuft", erklärte Kleinfeld.

Trotz dieser Gesten guten Willens steht er mit dem Rücken zur Wand. Der Konzernlenker musste sich Fragen nach der Höhe des Image-Schadens durch die BenQ-Pleite anhören und danach, ob er noch mit der Verlängerung seines Vertrages rechne. Der 49-Jährige gab sich gelassen. "Das Thema wird sich relativieren. Bei ein bisschen mehr Abstand wird man hoffentlich zu einer anderen Bewertung kommen", sagte er. Noch macht es Siemens aber Probleme.

Für das Geschäft mit Firmen-Netzwerken sucht der Konzern schon lange einen Partner ­ und findet bislang keinen. Dies hänge nicht mit der BenQ-Problematik zusammen, behauptete Kleinfeld. Doch bei der Dienstleistungssparte SBS spürt Siemens die Folgen des Falles BenQ. Hier will man 100 Millionen Euro durch Mehrarbeit und Lohnverzicht der Beschäftigten sparen. Eine entsprechende Vereinbarung mit der IG Metall war unterschriftsreif, als die BenQ-Pleite dazwischenplatzte. Die Gewerkschaft verweigert seither die Zustimmung. "Menschlich verständlich" sei das, sagte Kleinfeld. Er gehe trotzdem davon aus, dass die Gespräche wieder aufgenommen würden.

Kleinfeld verteidigte seinen Kurs, der massive Umwälzungen in dem Konzern brachte. Ihm werde vorgeworfen, "der pure Anhänger einer kapitalmarktorientierten Politik zu sein". Doch für ihn stünden die Kunden im Vordergrund. "Unsere Produkte müssen die Kosten unserer Kunden runterbringen oder die Leistung rauf." Nur das sichere Arbeitsplätze. Dabei könnte es auch um Kleinfelds eigenen gehen.

Der Vertrag des Vorstandsvorsitzenden endet am 30. September nächsten Jahres. Es ist üblich, dass die Verträge von Top-Managern frühzeitig verlängert werden, um Unsicherheit bei Belegschaft und Kunden zu vermeiden. Doch derzeit steht Kleinfeld in der Öffentlichkeit und bei vielen Mitarbeitern schlecht da. Zuletzt äußerten sich auch große Aktionäre kritisch. Denn an der Börse wurden Kleinfelds Bemühungen bislang kaum honoriert.

Umso mehr dürfte sich der Vorstandsvorsitzende über den gestrigen Kurssprung der Siemens-Aktie gefreut haben. Das Papier legte zwischenzeitlich gut drei Prozent auf über 74 Euro zu. Die Anleger wurden wohl dadurch inspiriert, dass die Ausschüttung an die Aktionäre von 1,35 auf 1,45 Euro je Papier steigen soll. Außerdem betonte Kleinfeld, dass im kommenden April alle Sparten ihre Gewinnziele erreichen werden. An dieses Ziel hatte er vor eineinhalb Jahren sein Amt gebunden.

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