Kleinfelds Kampf mit dem Minus

- München - ­ Minuszeichen soll es künftig in der Siemens-Bilanz nicht mehr geben. Konzernchef Klaus Kleinfeld hat versprochen, dass alle Sparten des Konzerns Gewinn erzielen werden ­ spätestens im kommenden Frühjahr. Diesen Donnerstag wird sich zeigen, wie nahe er seinem Ziel ist. Dann stellt der Konzern die Bilanz für das vergangene Geschäftsjahr vor, das zum 30. September endete. Darin macht sich allerdings das Minus der Dienstleistungssparte SBS breit.

"Wir werden uns 2006 voll darauf konzentrieren, das Unternehmen fit zu machen für die Zukunft", hatte Kleinfeld vor einem Jahr angekündigt und seinen Mitarbeitern viel abverlangt. Seine "aktive Portfoliopolitik" hat für die Krisen-Bereiche des Konzerns massive Umwälzungen mit sich gebracht.

Noch heuer soll das Geschäft mit Telekommunikations-Netzwerken in einem Gemeinschaftsunternehmen mit Nokia aufgehen. Nach fast 160 Jahren verschwindet das Siemens-Stammgeschäft Kommunikation aus dem Jahresbericht. Die Handy-Aktivitäten tauchten dort ohnehin nicht mehr auf. Sie haben Siemens ein Jahr nach der Übergabe an den taiwanischen BenQ-Konzern trotzdem belastet. Nachdem erst eine Erhöhung der Vorstandsbezüge um 30 Prozent bekannt wurde und dann BenQ das deutsche Handygeschäft in die Pleite schickte, war Kleinfelds Ruf ruiniert ­ und der von Siemens mit.

Da half es auch nichts, dass die Gehaltsspritze für die Chefs verschoben wurde und Siemens seine ehemaligen Mitarbeiter bei BenQ mit 35 Millionen Euro unterstützen will.

Der Lohn für die harten Einschnitte blieb bislang aus: Zwar empfehlen viele Analysten die Siemens-Aktie zum Kauf. Doch die Investoren halten sich zurück. Umso stärker steht Kleinfeld unter Druck, gute Zahlen zu präsentieren ­ insbesondere bei der Dienstleistungssparte SBS.

Das Informationstechnik-Geschäft verursacht hohe Verluste ­ in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres waren es mehr als eine halbe Milliarde Euro. Mit Mehrarbeit, Gehaltsverzicht, Stellenabbau und einer neuen Struktur will Kleinfeld die Aktivitäten sanieren, die ab nächstem Jahr SIS heißen werden. So soll das Ziel erreicht werden, dass alle Teile des Siemens-Konzerns für sich profitabel arbeiten. Insgesamt tun sie das schon lange.

Der Gewinn soll heuer "mindestens auf Vorjahreshöhe" von gut drei Milliarden Euro liegen, kündigte Kleinfeld vor drei Monaten an. Der Umsatz von gut 75 Milliarden Euro soll ­ auch durch Zukäufe ­ um mindestens zehn Prozent wachsen.

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