Klemmende Gaspedale ruinieren Toyotas Qualitäts-Image

Hamburg - Klemmende Gaspedale bei Millionen Autos haben dem guten Ruf des Autokonzerns Toyota als Qualitätshersteller eine tiefe Schramme verpasst.

Wegen Rostgefahr an einer Rückholfeder am Gaspedal wurde der Verkauf von acht betroffenen Modellen gestoppt. Am 1. Februar wird die Produktion in sechs US-Werken angehalten. Und schon vergangene Woche wurden 2,3 Millionen Fahrzeuge wegen möglicher Probleme mit dem Gaspedal in die Werkstätten gerufen.

Erst wenige Monate zuvor hatte Toyota 4,2 Millionen Fahrzeuge wegen anderer Probleme mit den Gaspedalen zurückgerufen. Ob auch in Europa verkaufte Wagen betroffen sind, untersucht der größte Autokonzern der Welt zur Zeit. Die schadhaften Gaspedale können laut Firmenmitteilung festklemmen und den Wagen ungewollt am Gas lassen. Der Konzern erklärte, ihm seien keine Unfälle deswegen bekannt, wollte das aber nicht ausschließen. Ein Sprecher von Toyota-Deutschland erklärte auf Anfrage der Nachrichtenagentur DAPD, in Deutschland sei das Problem bisher nicht aufgetreten.

Autos aus US-Werken des Konzerns würden nicht nach Deutschland geliefert. Wie der Sprecher sagte, ist bei dem Fehler die Rückholfeder des elektronischen Gaspedals betroffen. Durch Rost könne es passieren, dass das Pedal nicht auf die Leerlaufstellung zurückkomme und der Motor weiter hoch drehe, obwohl der Fuß vom Gas sei. Wenn das Problem auftrete, könne bei Automatik-Autos der Fahrhebel auf Leerlauf gezogen werden und bei Schaltgetrieben die Kupplung getreten werden. Über die Bremse könne der Wagen dann anhalten.

Erfolgsmodell Camry auch betroffen

Betroffen sind einige der beliebtesten US-Modelle jüngeren Baujahrs von Toyota: der Mittelklassewagen Camry, der 2009 wieder meistverkauftes Auto auf dem US-Markt war, der Geländewagen RAV4, der Kompaktwagen Corolla, der Luxus-Geländewagen Highlander oder der gigantische Pick Up-Truck Tundra. Nicht betroffen ist der Hybridwagen Prius. Das fehlerhafte Teil stammt von einem Zulieferer, wie Toyota mitteilte.

Image der hochwertigen Qualität beschädigt

Toyota-Autos galten jahrelang als besonders hochwertig und sicher vor Pannen. Doch eine aggressive Wachstumsstrategie eines inzwischen abgelösten Managements erhöhte die Fehlerquote. Toyota hatte für das laufende Jahr eine Absatzsteigerung von 6 Prozent auf 8,27 Millionen Stück angepeilt. Unklar blieb, ob diese Zahlen nach den Rückrufen und dem Produktionsstopp noch gelten. Die Probleme kommen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt für Toyota: Erst vor 2 Jahren hatten die Japaner GM als größten Autobauer der Welt abgelöst. Für 2009 musste der Gigant einen Milliardenverlust ausweisen und das schlechteste Jahr der 72-jährigen Firmengeschichte melden. Qualitätsprobleme sind vor allem im US-Markt extrem schädlich. So hängt dem deutschen Hersteller Audi bis heute nach, dass in den 80er-Jahren ein Automatik-Modell in den Verdacht geraten war, von selbst zu beschleunigen. Die Schwestermarke VW bereitet zur Zeit die Markteinführung eines neuen Mittelklassemodells für die USA vor. Die ersten Testwagen werden ungewöhnlich hart erprobt, um später im Verkauf kein Qualitätsdesaster zu erleiden Ende

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