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Wärmedämmung ist der wichtigste Schritt, um die Heizkosten zu senken. Hier kommen dicke Schichten unters Dach, die die Heizenergie im Haus halten sollen.

Klimaschutz im Alltag: Das können Sie in den eigenen vier Wänden machen

Nachdem der Klimagipfel in Kopenhagen die Erwartungen enttäuscht hat, bleibt Klimaschutz vorerst Privatsache. Jeder Einzelne kann in seinen eigenen vier Wänden zum Schutz des Klimas beitragen.

Energieberatung

Eine Möglichkeit besteht darin, die eigene Heizung genau unter die Lupe zu nehmen. „Es ist wichtig, immer das gesamte Heizungssystem zu betrachten“, sagt Christian Noll, Experte für Energieeffizienz beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Er empfiehlt, zuerst eine Energieberatung in Anspruch zu nehmen, um die Herangehensweise auszuloten.

Heizungspumpe

Immer in Betracht ziehen könne man laut Noll die alte Heizungspumpe auszutauschen, denn sie habe einen sehr hohen Stromverbrauch – bis zu 20 Prozent des Gesamtverbrauchs eines Hauses. Sie ist in der Regel der größte Stromverbraucher. Eine neue Heizungspumpe koste zwischen 300 und 400 Euro und kann mehr als 100 Euro Stromkosten im Jahr einsparen.

Wärmedämmung

Um Heizkosten zu sparen, bietet sich die Isolierung des Eigenheims an. Dämmplatten für die Außenfassade kosten zwischen 75 und 170 Euro pro Quadratmeter. Eine Innendämmung kostet zwischen 35 und 60 Euro pro Quadratmeter. Für die Dämmung der obersten Geschossdecke belaufen sich die Kosten auf Preise zwischen 20 und 35 Euro pro Quadratmeter. Die Dämmung des Dachs schlägt mit 100 bis 120 Euro pro Quadratmeter zu Buche. Das Dämmen des Kellers kostet zwischen 15 und 40 Euro pro Quadratmeter. Beim Austausch der Fensterverglasung kann man mit Preisen zwischen 100 und 150 Euro pro Quadratmeter rechnen. Und der Austausch der kompletten Fenster kostet zwischen 150 und 400 Euro pro Quadratmeter.

Heizung abgleichen

Eine weitere Möglichkeit, Heizungsenergie zu sparen, ist laut Hanno Lang-Berens, Energieberater der Verbraucherzentrale, der sogenannte hydraulische Abgleich der Heizung. Das bedeutet, dass die Heizung so eingestellt wird, dass das Heizungswasser durch alle Gebäudeteile gleichmäßig fließt und man dadurch das Haus „mit möglichst niedrigen Heiztemperaturen“ und vor allem gleichmäßig warm bekommt, so Lang-Berens. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 300 Euro. Handlungsbedarf besteht, wenn beispielsweise ein Heizkörper trotz Entlüftung nur lauwarm wird, während ein anderer beinahe glüht.

Thermostate

Bedingung für einen hydraulischen Abgleich ist, dass die Thermostatventile an den Heizkörpern regelbar sind. Falls nicht, sollten sie ausgetauscht und zum Beispiel durch programmierbare Regler ersetzt werden. Mit Hilfe dieser speziellen Regler könne man gezielt einzelne Räume zu bestimmten Tageszeiten heizen und dadurch wieder Energie einsparen, erklärt Lang-Berens.

Heizungssysteme

Bei der Anschaffung einer neuen Heizung gibt es eine große Auswahl. Eine Erdwärmepumpe oder eine Pelletheizung kosten jeweils etwa 15 000 Euro. Investiert man in eine Gasbrennwerttherme, kostet das rund 8500 Euro. Ergänzt man das System durch Solarenergienutzung, erhöhen sich die Kosten auf rund 14 000 Euro. Entscheidet man sich für eine neue Ölbrennwertheizung, kann man mit Kosten um 9500 Euro rechnen. Außerdem gibt es die Möglichkeit einer sogenannten Mittel- oder Hochtemperatur-Wärmepumpe. Je nach Art und Leistung der Wärmepumpe kostet diese zwischen 10 000 und 20 000 Euro. Diese Geräte sind sehr effizient, verbrauchen aber elektrische Energie. Damit ist der Verbraucher immer abhängig von den Stromtarifen. Allerdings ergibt sich immer ein deutlicher Verbrauchsvorteil gegenüber herkömmlichen Elektroheizungen. Welche Variante langfristig die wirtschaftlichste ist, kann auch der Experte Lang-Berens nicht vorhersehen. „Wir wissen nicht, wie sich die einzelnen Energiepreise in den kommenden Jahren entwickeln werden“, sagt er. Ein Investitionsrisiko bleibt.

Solarkraft

Will man Wärme durch die Einstrahlung der Sonne gewinnen, sollte man darauf achten, dass das Dach steil genug ist. Ist das Dach hingegen flach, eignet es sich laut Lang-Berens besser zur Gewinnung von elektrischer Energie. 23 Grad Neigung wären in München optimal, erklärt der Energieberater. Allerdings lassen sich unpassende Dachwinkel durch Aufständerung dem jeweiligen Einsatz anpassen.

Pufferspeicher

Verknüpft mit der Solaranlage ist der sogenannte Pufferspeicher. Er speichert die an günstigen Tagen eingefangene Sonnenwärme für Zeiten mit trüberem Wetter. Die Einbindung dieses Speichers bringt einige Vorteile mit sich: Er kann die überschüssige Wärme eines Festbrennstoffkessels speichern und bei Bedarf sofort abgeben. Außerdem kann die benötigte Wärme auch über den Zeitraum von einigen Tagen gespeichert und genutzt werden.

Rohre isolieren

Oft sind die Heizungsrohre im Keller nicht ausreichend gedämmt. Dann geht viel Wärme bereits im Keller ungenutzt verloren. Diese Rohre kann man mit sogenannten Rohrschalen isolieren. Einen Meter Rohrschale mit einer Isolierschicht von 30 Millimetern gibt es im Baumarkt für unter vier Euro.

Heizverhalten

Auch das persönliche Heizverhalten trägt maßgeblich zum Energiesparen bei. Jedes Grad weniger bei der Raumtemperatur spart etwa sechs Prozent Heizenergie. Vor allem bei Räumen, die über längere Zeit kaum oder nicht genutzt werden, etwa Abstellkammern, sollte man die Heizung nicht voll laufen lassen. Auch Schlafräume können ruhig ein wenig kühler gehalten werden.

Spalten abdichten

Auch undichte Fenster oder Türen können ein Problem sein. Spalten können mit Gummidichtungen oder Schaumdichtungsband gestopft werden. Fünf Meter Dichtungsband kosten rund zwölf Euro im Baumarkt. Damit kann man – auch ohne Eigentümer der Wohnung zu sein – eigenständig seine Heizkosten reduzieren.

von Felix Buchner

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