Klimaschutz auch am PC ein Thema

München - IT-Nutzer und Hersteller pumpen genauso viel CO2 in die Atmosphäre wie die weltweite Luftfahrtindustrie. Seit das internationale Marktforschungsinstitut Gartner das ausgerechnet hat, stehen Computer, Laptop und Handy am Pranger. Die Industrie will mit umweltfreundlicheren Geräten gegensteuern. Dabei können auch private Verbraucher zu einer verträglicheren Technologie beitragen.

Ein Computer stinkt nicht wie ein Auto und ätzt nicht wie ein Putzmittel. Und so mag es manchem PC-Hersteller denn auch wie eine Ironie des Schicksals vorkommen, dass gerade die scheinbar so saubere Informationstechnologie jetzt in Misskredit gerät. Doch die Fakten sprechen für sich: "Die Geräte enthalten viele Schadstoffe, die auf Müllhalden in China landen und dort die Umwelt zerstören", erklärt Jonas Mey, Energie-Experte vom Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland. Der Umweltschützer kritisiert auch, dass der Stromverbrauch - und damit der CO2-Ausstoß - rasant wächst. So verbrauche zum Beispiel das neue Microsoft-Betriebssystem Windows Vista deutlich mehr Energie als die Vorgängerversion.

Mey fordert, die Industrie solle entschleunigen, statt ständig neue Updates zu liefern. Außerdem weist er auf umweltschädliche Materialien hin, die in Computern verbaut werden: "Ich warte auf den ersten PVC-freien Rechner", sagt er. Die Industrie hat den Ruf gehört - und reagiert. "Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, der erste Hersteller eines CO2-neutralen Rechners zu werden", verkündet zum Beispiel Dorothee Stolzenberg, Geschäftsführerin der Frankfurter Niederlassung des internationalen Computerriesen Dell. Und IBM brüstet sich damit, eine Milliarde Dollar für sogenannte grüne IT auszugeben.

Jonas Mey überzeugt das nicht. Bekenntnisse dieser Art erinnern ihn an den Manager, der gelegentlich - bei gutem Wetter! - das Auto stehen lässt und radelt. Der Umweltschützer verlangt von der Industrie, die Verbraucher umfassend und verständlich über schädliche Stoffe bei der Herstellung der Geräte aufzuklären. Nicht zuletzt ist aber der Verbraucher selbst gefragt. Beispiel Handy: "Wenn ich diese Ein-Euro-Handy-Werbungen sehe, klingeln bei mir die Alarmglocken", sagt Jonas Mey düster. Schließlich landen die Mobiltelefone als Elektroschrott genauso irgendwo in der Dritten Welt wie Computer. Meys Appell: "Wenn das Handy noch funktioniert, sollte man sich nicht nach zwei Jahren automatisch eine neues zulegen, bloß weil das im Vertrag steht."

Sieben Tipps für Umweltschutz am Computer

-Beim Drucken Papier beidseitig beschreiben.

-Vorher das Rechtschreibprogramm starten, dann muss der Brief nicht wegen Fehlern noch einmal rausgelassen werden.

-Wenn Seiten aus dem Internet ausgedruckt werden sollen, am besten den Text markieren, in ein Word-Dokument einfügen und nur dieses Text-Dokument drucken. Spart eine Menge Toner und Papier.

-Wenn der Rechner nicht benutzt wird - ausschalten!

-WLAN nur aktivieren, wenn es gebraucht wird.

-Ein neuer Rechner soll her? Beim Hersteller nach "Green IT"-Initiativen erkundigen.

-Den alten Rechner beim Hersteller zum Recyceln geben. Firmen wie Dell und Cisco versprechen, auch Geräte zu recyceln, die nicht aus ihrem Hause stammen. 

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