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Ausgebohrt: Das Erdöl soll nach den Vorstellungen der internationalen Energieagentur langfristig weitgehend durch regenerative Energieträger und Kernkraft ersetzt werden.

Klimaschutz: Ein riesiger Markt für die deutsche Wirtschaft

Berlin - Fossile Energie wird nicht knapp, aber teuer – und sie soll massiv zurückgefahren werden, um den Klimawandel zu bremsen. Die deutsche Industrie setzt sich für weltweit koordiniertes Handeln ein.

Die deutsche Industrie entdeckt eine grüne Zukunft: Zwei Tage, nachdem der Bundesverband der deutschen Industrie mit seinem Berliner Appell für ein verlässliches globales Klimaschutzabkommen eingetreten war, legt er bereits nach. Gestern holte er sich einen Kronzeugen ins eigene Haus: Fatih Birol, Chefökonom der Internationalen Energieagentur, stellte der deutschen Wirtschaft den World Energy Outlook (Welt-Energie-Ausblick) 2009 vor.

Klare Botschaft: Umsteuern

Dessen zentrale Aussage für die Zukunft war düster: Wenn nicht energisch gegen den CO2-Ausstoß vorgegangen werde, würde sich die Erdatmosphäre um durchschnittlich sechs Grad aufheizen. Seine klare Botschaft dagegen ist: Umsteuern. Die deutsche Industrie will mitmachen und die Welt mit den entsprechenden Technologien beliefern.

Um die fortschreitende Erderwärmung zu bremsen, fordert der Energie-Ausblick radikale und koordinierte Aktionen in allen Regionen der Welt – vor allem aber Investitionen in Höhe von 10,5 Billionen Dollar bis zum Jahr 2030, darunter 4,7 Billionen Dollar im Verkehrssektor, 2,5 Billionen Dollar für Gebäude, 1,7 Billionen Euro für Investitionen in Kraftwerke und 1,1 Billionen Dollar in der Industrie. Ein riesiger Markt – auch für die deutsche Wirtschaft.

Die Finanzkrise hat diese Notwendigkeit sogar verstärkt, denn in der Krise sei nicht nur der weltweite Energieverbrauch zurückgegangen, was entspannend wirkte, sondern auch die entsprechenden Investitionen. Der Nachholbedarf an Investitionen in neue grüne Technologien zugunsten des Klimaschutzes ist damit sogar gestiegen. Immerhin werden die gewaltigen Ausgaben zumindest teilweise durch den späteren Nutzen ausgeglichen. Der Modellrechnung der Energieagentur nach verringern sich die Energiekosten im entsprechenden Zeitraum um 8,6 Billionen Dollar. Allein im Verkehrssektor werden der Rechnung nach 6,2 Billionen Dollar eingespart. Die Entwicklungsländer allerdings, so die Energieagentur, brauchen bei der Emissionsminderung finanzielle Unterstützung der Industriestaaten.

Energieagentur setzt auf Kernkraft

Neben dem massiven Ausbau erneuerbarer Energien setzt die Energieagentur vor allem auf Kernkraft, deren Anteil an der weltweiten Stromerzeugung 2030 bei rund 18 Prozent liegen müsse. Das hat bereits bei der Veröffentlichung des Berichts für harsche Kritik gesorgt. Um das Ziel zu erreichen, müsse jede Woche ein neues Kernkraftwerk ans Netz gehen, rechnete etwa Greenpeace hoch und warf der Energie-Agentur vor, „jeglichen Sinn für die Realität verloren zu haben“.

Doch das Papier der Organisation schlägt auch eine Reihe anderer Möglichkeiten vor. Zum Beispiel die Biokraftstoffnutzung sowie die Verbreitung von Hybrid- und Elektrofahrzeugen. Allerdings dürften, um die ehrgeizigen Ziele der Welt-Energieagentur zu erreichen, nur mehr 40 Prozent der neu verkauften Autos mit konventionellen Verbrennungsmotoren ausgerüstet sein – ein Ziel, das vor allem in der Autoindustrie als nicht erreichbar gilt.

Neben den erneuerbaren Energien und der Kernkraft soll in der Energieversorgung Erdgas zumindest vorübergehend die zentrale Rolle spielen – vor allem wegen des relativ geringen CO2-Anteils. Der weltweite Erdgas-Verbrauch steigt von 3 Billionen Kubikmeter 2007 auf 4,3 Billionen Kubikmeter 2030.

Immerhin bei den gesamten Erdgasvorräten gibt sich die Energieagentur optimistisch. Diese „sind mehr als ausreichend, um jeden denkbaren Anstieg des Gasverbrauchs bis 2030 und weit darüber hinaus zu decken“, heißt es im Energiebericht. Zu nachgewiesenen Reserven von 180 Billionen Kubikmeter kommen geschätzte Reserven wirtschaftlich förderbaren Erdgases von 850 Billionen Tonnen.

Das größte Potenzial hat auch nach Einschätzung der Internationalen Energie-Agentur die Ernergie-Einsparung: „Energieeffizienzinvestitionen“ können im Gebäudesektor in der Industrie im Allgemeinen schon nach kurzer Zeit amortisiert werden.“

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