Klimaschutz soll zur bequemen Wahrheit werden

US-Bewegung: - München - "Wir erleben eine Kollision zwischen der Zivilisation und der Erde", warnt Al Gore auf der Leinwand. Abgesehen davon, dass seine Haare ergraut sind, sieht der Weltstar des Umweltschutzes im Film noch so aus wie einst als Kandidat für das Amt des US-Präsidenten, der vor gut sechs Jahren gegen George W. Bush verlor. Doch jetzt, in seinem Oscar-prämierten Klimaschutz-Film "Eine unbequeme Wahrheit", hat der Mann eine Strahlkraft, die er nie zuvor hatte.

"Heute ist offensichtlich: Kein Klimaschutz kostet viel mehr Geld als der Klimaschutz selbst. Das ist keine schöne-Blümchen-Idee von ein paar verrückten Umweltschützern", sagt Sigmar Gabriel. Der Bundesumweltminister ist ­ ebenso wie Siemens-Chef Klaus Kleinfeld und die Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber sowie Dennis Meadows ­ gestern in den Großen Hörsaal der Technischen Universität München gekommen, um vor hunderten Vertretern von Politik und Wirtschaft über Gores Film und das "wichtigste globale Thema", wie Kleinfeld sagte, zu sprechen. Die Anzahl schwerer Wirbelstürme hat sich in den vergangenen 30 Jahren fast verdoppelt, von Grönlands Gletschern strömt Schmelzwasser ins Meer und hunderte Pflanzen- sowie Tierarten ziehen sich wegen der Erwärmung zurück. Geht es so weiter, steht die Erde vor einer Katastrophe. Wenn man erreichen wolle, dass sich die Erde nicht um mehr als zwei Grad erwärmt, müsste der Ausstoß von Kohlendioxid um 80 Prozent verringert werden, erklärte Schellnhuber, der Chefberater der Bundesregierung für Klimaschutz ist. Dazu sei eine umfassende Strategie nötig. "Wir werden alle unseren Verstand anstrengen und unsere Investitionen richtig lenken müssen, um das Problem zu lösen."

Dabei gehe es nicht zwangsläufig um Einbußen bei der Lebensqualität, erklärte Siemens-Chef Klaus Kleinfeld: "Klimaschutz und der Erhalt unseres Wohlstandes sind keine Gegensätze. Es geht nicht um Verzicht, sondern um technische Innovationen." Schon verfügbare Technologie ­ etwa im Kraftwerksbau ­ könnte dazu beitragen, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. "Sie muss eingesetzt werden." Zudem müsse die Forschung unterstützt werden.

Umweltfreundliche Innovationen würden zu wenig wirtschaftlich und gesetzlich gefördert, urteilte auch Gabriel. Eine Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken lehnte er erneut ab. Er halte dies aus Risikogründen für "nicht vertretbar". Zudem sei damit das Klimaproblem nicht zu lösen. Gabriel sprach sich für weltweite Umwelt-Subventionen aus: "Wir werden ein Stück unseres Reichtums teilen müssen, wenn wir armen Ländern helfen wollen. Wir werden die Brasilianer nicht abhalten können, den Regenwald abzuholzen, wenn wir ihnen keinen Ausgleich dafür geben, dass sie die grüne Lunge unseres Planeten schonen."

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