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Der Hauptsitz der Müncher Rück in der Leopoldstraße in München (Archivfoto August 2008).

Münchener Rück

Klimawandel auch ökonomisch katastrophal

München - Der Klimawandel macht keine Pause. Vor allem deshalb haben Naturkatastrophen dieses Jahr viele Menschenleben gefordert und Milliardenschäden verursacht. Um das Schlimmste zu verhindern, fordert die Münchener Rück neue Klimaschutzziele.

Im Schatten von globaler Finanzkrise und Rezession schreitet der Klimawandel 2008 voran und trägt maßgeblich zum Jahr mit den dritthöchsten Schäden aus Naturkatastrophen bei. Das geht aus der aktuellen Katastrophenbilanz des Assekuranzriesen Münchener Rück hervor, die menschliche Opfer und wirtschaftliche Schäden aus Sturm, Erdbeben oder Überschwemmung über die Jahre hinweg vergleicht.

"Der Klimawandel hat bereits eingesetzt", stellt Rück-Vorstand Torsten Jeworrek klar. Er sei mit großer Wahrscheinlichkeit für immer schlimmere Wetterextreme verantwortlich. Gemessen an der im Vergleich zum Vorjahr von 960 auf 750 Naturkatastrophen gesunkenen Anzahl schwerer Ereignisse habe sich die Lage nur auf den ersten Blick entspannt, betonen die Risikoforscher des Rückversicherers, der für derartige Schäden vielfach aufkommen muss.

Fürchterlich sei 2008 dagegen die Zahl von über 220 000 Menschen, die durch Naturkatastrophen ums Leben gekommen sind. So entstandene gesamtwirtschaftliche Schäden hätten sich von 82 auf rund 200 Milliarden Dollar weit mehr als verdoppelt, die versicherten Schäden um die Hälfte auf 45 Milliarden Dollar erhöht.

Daran gemessen sei 2008 nach den Jahren 1995 mit dem Erdbeben im japanischen Kobe und dem Hurrikanjahr 2005 das bislang am schlimmsten von Naturkatastrophen heimgesuchte Jahr gewesen. Allein der Zyklon Nargis im asiatischen Myanmar habe wohl mehr als 135 000 Menschenleben gefordert, was auch auf das Vernichten großer Teile der als Küstenschutz dienenden Mangrovenwälder zurückgehe.

Größter wirtschaftlicher Einzelschaden war das Erdbeben in der chinesischen Provinz Sichuan, das 70 000 Menschenleben gefordert und allein 85 Milliarden Dollar gekostet habe. Für die Assekuranz war der karibische Hurrikan Ike mit versicherten Schäden von 15 Milliarden Dollar das 2008 katastrophalste Ereignis.

Europa sei 2008, im zehntwärmsten Jahr seit Beginn der Temperaturmessung, relativ glimpflich davongekommen, sagt der Chef-Risikoforscher der Münchener Rück, Peter Höppe. In Deutschland mache sich das vor allem in Wetterextremen wie Hitzewellen und Überschwemmungen bemerkbar. Dadurch könne der Klimawandel auch hier demnächst höhere Prämien für entsprechende Versicherungspolicen mit sich bringen. Als Beispiel für eine solche Entwicklung nennt Höppe die Küstenregionen der USA, die klimabedingt von immer mehr und stärkeren Hurrikanen durchfurcht werden. Dort hätten sich die Policen deshalb in den letzten Jahren verdoppelt. Mit steigenden Preisen oder Ausschlussklauseln könne die Assekuranz aber nur auf die Folgen des Klimawandels reagieren.

Ihn selbst zu bremsen, bleibe das weit wichtigere Ziel. Beim Ende 2009 anstehenden Klimagipfel in Kopenhagen müsse bis 2050 mindestens eine Halbierung der Treibhausgasemissionen im globalen Maßstab vereinbart werden, fordert Vorstand Jeworrek. Sonst müssten kommende Generationen mit kaum noch beherrschbaren Wetterszenarien leben.

Auch ökonomisch werde es bei zu langem Zögern sehr teuer. Der britische Klimaexperte Nicholas Stern sagt bei Tatenlosigkeit bis 2050 durch Klimawandel bedingte und sukzessiv steigende Kosten in Höhe von fünf bis 20 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung voraus. Heute beträgt diese rund 45 Billionen Dollar. Die Kosten zur Eindämmung des Klimawandels beziffert er mit per annum einem Prozent davon. Die wegen der Rezession weltweit anlaufenden staatlichen Förderprogramme müssten deshalb auch in Richtung Klimaschutz gelenkt werden, fordert Höppe. Wärmedämmung von Altbauten oder erneuerbare Energien seien lohnende Ziele. Keinesfalls dürfe die Wirtschaftskrise dazu führen, dass man den Klimaschutz aus den Augen verliert.

Thomas Magenheim-Hörmann

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