+
Frisch geschlachtete Schweine in einem Kühlhaus: Das „Tierwohllabel“ soll bis 2020/2021 in die Supermärkte kommen.

Einführung bis 2020/2021

Bundesagrarministerin Klöckner will „Tierwohllabel“: Das hat es damit auf sich

Die Politik plant schon länger ein Logo, das Kunden beim Fleischkauf zeigen soll, wenn Tiere bessere Bedingungen im Stall hatten. Nun legt die neue Ministerin erste Vorstellungen vor - und ändert einiges.

Berlin - Das geplante staatliche „Tierwohllabel“ für Fleisch und Fleischerzeugnisse im Supermarkt soll nach Plänen von Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) drei Stufen bekommen. Dabei soll die Eingangsstufe „eindeutig über dem gesetzlichen Standard“ liegen, wie das Ministerium am Samstag in Berlin mitteilte. „Unsere Kennzeichnung wird klar, wahr und verlässlich sein“, sagte die Ressortchefin. „Wir werden das Label so attraktiv machen, dass viele Landwirte mitmachen und sich dadurch die Haltungsbedingungen der Nutztiere spürbar verbessern.“ Welche Auflagen die Bauern bei der Tierhaltung im einzelenen für die verschiedenen Einstufungen einhalten müssen, wurde zunächst noch nicht mitgeteilt.

Mit den Eckpunkten kündigt Klöckner einige Änderungen am bisherigen Konzept an. Ihr Vorgänger Christian Schmidt (CSU) hatte Kriterien für das Label erarbeitet, es bis zur Bundestagswahl aber nicht umgesetzt. Seine Pläne hatten zwei Stufen des Labels vorgesehen - eine Eingangs- und eine Premiumstufe. Klöckner will außerdem auf die bisher auf dem Logo angedachte schwarz-rot-goldene Flagge verzichten. Dies könne von Verbrauchern fälschlich als Angabe zur Herkunft verstanden werden. Sie zeigte sich zudem offen dafür, dass die Label-Stufen nicht wie geplant mit Sternen, sondern mit Ziffern angegeben werden könnten.

„Tierwohllabel“ soll bis 2020/2021 in die Supermärkte kommen

Klöckner stellte die Eckpunkte nach einem Gespräch mit Vertretern von Tierhaltern, Verbraucherzentralen, Tierschützern und Handel vor. Ziel sei eine breite Beteiligung in Supermärkten und Gastronomie. Für Landwirte soll die Teilnahme freiwillig sein, die Kriterien müssten dann aber verbindlich eingehalten werden. Mitgenommen werden sollten insbesondere Bauern, die bei der seit 2015 bestehenden „Initiative Tierwohl“ mitmachen. Dabei erhalten Landwirte für Zusatzleistungen Geld aus einem Fonds, in den Supermarkt-Ketten einzahlen. Geplant ist eine staatliche Förderung für Stall-Umbauten und eine Werbekampagne.

Klöckner strebt an, dass das „Tierwohllabel“ bis 2020/2021 in die Supermärkte kommt. Union und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart, bis zum kommenden Jahr ein Konzept dafür zu schaffen. Im Handel sind bereits einige Kennzeichnungen gestartet worden, auch der Bauernverband hat eigene Vorschläge gemacht.

Die Ministerin sagte, mit dem staatlichen Labe solle Verbrauchern eine verlässliche Orientierung gegeben werden, wie viel Tierwohl in Produkten stecke. „Ohne diejenigen zu diskriminieren, die sich zwar gesetzeskonform verhalten, aber lediglich die vorgeschriebenen Mindeststandards bei der Tierhaltung einhalten.“ Über das nationale „und damit automatisch freiwillige“ Label hinaus wolle sie sich auf EU-Ebene für eine umfassende Haltungskennzeichnung einsetzen, sagte Klöckner. Dies benötige aber eine längere Abstimmungszeit.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ghosn in Haft: Finanzaffäre um Renault-Nissan-Chef
Der schillernde Automanager Carlos Ghosn steht schwer unter Beschuss: In Japan soll er laut Angaben von Nissan gegen Börsenauflagen verstoßen haben, der …
Ghosn in Haft: Finanzaffäre um Renault-Nissan-Chef
Warnstreik bei Eurowings in Düsseldorf
Seit Monaten streiten Verdi und die Lufthansa-Tochter Eurowings um Arbeitszeiten und Dienstpläne der Flugbegleiter. Nun macht die Gewerkschaft ernst: Sie kündigt für …
Warnstreik bei Eurowings in Düsseldorf
Media-Markt-Plakat mit Sophia Thomalla: Jetzt gibt es die Quittung vom Werberat
Sexismusvorwurf: Mit einem provokanten Plakat haben Media Markt und Sophia Thomalla Werbung gemacht. Der Werberat fällt nun ein klares Urteil über die Kampagne - doch …
Media-Markt-Plakat mit Sophia Thomalla: Jetzt gibt es die Quittung vom Werberat
Rückruf! Käse kann Blutungen verursachen - Er wurde auch bei Rewe verkauft
Achtung, Rückruf! Wer unlängst ins Käseregal gegriffen hat, sollte nun genau den Einkauf prüfen: Ein Produkt, das unter anderem bei Rewe angeboten wurde, kann schwere …
Rückruf! Käse kann Blutungen verursachen - Er wurde auch bei Rewe verkauft

Kommentare