Klon-Nachfahren dürfen auf den Tisch

München - Schnitzel oder Milch von Nachfahren geklonter Tiere dürfen weiter in der EU verkauft werden. Das ursprünglich geplante Verbot von Klonfleisch ist am Streit zwischen EU-Kommission, Europaparlament und Mitgliedsstaaten gescheitert. Auch eine Kennzeichnungspflicht im Supermarkt wird es vorerst nicht geben. Viele Verbraucher sind verunsichert. Die wichtigsten Fragen:

-Was bedeutet Klonen?

Geklonte Tiere sind genetisch exakte Kopien bereits lebender Tiere. Klone werden mit gentechnischen Verfahren im Labor gezeugt und dann von einer Leihmutter ausgetragen. Das Verfahren des Klonens wurde 1996 durch das Schaf „Dolly“ bekannt - das Tier entstand durch die Verschmelzung einer Körperzelle aus dem Euter der Mutter mit einer Eizelle ohne Erbgut.

-Warum klont die Landwirtschaft überhaupt Tiere?

Klone sind für Züchter oder Industrie interessant, um besonders wertvolle Exemplare in exakter Kopie zu vermehren: Bauern können ihre besten Zuchtbullen klonen lassen, damit auch dessen Klone besonders viele Nachkommen zeugen. Kühe, die besonders viel Milch geben, können geklont werden, damit die Produktion von Milch billiger wird. Mit dem Klonen lassen sich die Kosten in der Landwirtschaft senken.

-Wann kommt das Fleisch eines Klons in den Handel?

Im Allgemeinen gar nicht - weil Klonen sehr teuer ist. Das Bundesverbraucherschutzministerium beziffert die Kosten für einen einzigen Klon auf mindestens 20 000 Euro. Würde man Klontiere schlachten, wäre das wirtschaftlich nicht sinnvoll. „Kein Bauer wird 100 000 Euro für einen geklonten Bullen ausgeben, um dann daraus Hamburger zu machen“, erklärt das Europaparlament. In der Kühltheke werden daher nicht die Tiere selbst, sondern vor allem Fleisch oder Milch ihrer konventionell erzeugten Nachkommen angeboten werden. Die Produkte lassen sich nicht von denen „normaler Tiere“ unterscheiden.

-Wie ist die Lage in der EU?

Als einziges EU-Land hat Dänemark das Klonen von Tieren für kommerzielle Zwecke verboten. Davon abgesehen hat laut EU-Kommission kein Mitgliedsland eine besondere Klon-Gesetzgebung. In den USA, Kanada und Argentinien sowie Brasilien gibt es Klonfleisch schon länger im Handel. Sie sind die Hauptexporteure von Samen geklonter Bullen.

-Und wie sieht es

in der Kühltheke aus?

Europas Verbraucher müssen beim Einkauf nicht fürchten, das Produkt eines Klones in die Hände zu bekommen. Um dies in den Handel zu bringen, sind in der EU aufwendige Prüfverfahren nötig. Laut Verbraucherschutzministerium liegt bislang kein Antrag der Industrie auf Zulassung von Lebensmitteln eines Klontieres in Europa vor, keine Zulassung wurde erteilt. „Sie dürfen in der EU daher nicht verkauft werden“, so das Ministerium.

-Und deren Nachkommen?

Bei Nachkommen, die zum Beispiel mit dem Sperma eines geklonten Bullen erzeugt wurden, sieht es anders aus. Deren Schnitzel, Milch und Käse befinden sich möglicherweise schon im Handel. Da in der EU keine Kennzeichnungspflicht besteht, gibt es keine Zahlen. Nach Angaben der SPD-Fraktion im Europaparlament wird bereits vermehrt Milch von Nachkommen geklonter Tiere aus Frankreich angeboten.

-Ist der Verzehr von Klonfleisch gefährlich für den Menschen?

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat Klonfleisch grundsätzlich als unbedenklich eingestuft. Allerdings soll weiter geforscht werden. EU-Verbraucherschutzkommissar John Dalli sagt: „Ich würde geklontes Rindfleisch essen“. Er sieht nur offene Fragen in puncto Tierschutz und Ethik.

-Was sagen Kritiker?

Verbraucherschützer sehen Risiken, weil unklar ist, ob sich die genetischen Veränderungen bei Nachkommen fortsetzen und die Gesundheit des Menschen beeinträchtigen. Tierschützer verweisen auf die bislang geringe Erfolgsquote beim Klonen und haben ethische Bedenken. „Die Überlebensrate von Klonen liegt bei 60 Prozent und ihre Lebenserwartung ist kurz“, sagte die SPD-Gesundheitsexpertin im Europaparlament Dagmar Roth-Behrendt. Häufig kommt es zu Fehlgeburten. Im Vergleich zu traditionell gezüchteten Artgenossen „macht die Reduzierung der genetischen Vielfalt Herden anfälliger für Krankheiten“, kritisiert das Europaparlament.

-Was sagen die Verbraucher selbst?

Nach einer Eurobarometer-Umfrage aus dem Jahr 2008 ist die Mehrheit der EU-Bürger gegen das Klonen. Drei von vier Befragten fanden, dass das Klonen von Tieren zum menschlichen Verzehr aus ethischen Gründen nicht akzeptabel ist.

Marion Trimborn

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