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Seit Jahresbeginn obligatorisch: In Neubauten und bei Gebäude-Sanierungen müssen die neuen, cleveren Stromzähler namens „Smart Meter“ eingebaut werden. Ihr Einspar-Nutzen ist jedoch nicht ganz so groß, wie viele hoffen. foto: apn

Kluger Kasten mit Macken: Intelligenter Stromzähler

München - Die Revolution kommt im schlichten Grau daher - doch in dem kleinen Plastikkasten ist High-Tech versteckt. Es funkt bunte Statistiken auf den Computer im Nebenraum, die sich ständig verändern.

Mal zeigt der Pfeil auf dem Monitor nach oben und verfärbt sich rot, mal dreht er nach unten und wechselt seine Farbe in ein freundliches Grün. Was sich nach einem Versuchsaufbau im Labor anhört, könnte schon bald zum Alltag in jedem modernen Haushalt gehören: Seit dem 1. Januar sind sogenannte Smart Meter in Neubauten und sanierten Gebäuden gesetzlich vorgeschrieben.

Und die Branche zeigt sich euphorisch über die neuen Möglichkeiten für Verbraucher - mit den neuen Geräten sollen Kunden genau nachvollziehen, wie viel Strom wann und wofür genutzt wurde: „Ein neues Energiebewusstsein entsteht. Denn wer seinen Strom sieht und weiß, wann er wie viel verbraucht, kann an den richtigen Stellschrauben drehen“, meint Yello-Sprecherin Bettina Pöhler. „Die Nutzung von Stromfressern kann somit in die kostengünstige Sparstromzeit verlagert werden“, ergänzt EnBW-Sprecher Ralph Eckhardt.

Ganz so kinderleicht ist das Sparen beim Stromverbrauch allerdings nicht: Das Sparpotenzial des intelligenten Stromnetzes werde „enorm überschätzt“, sagte der Aachener Energieberater Peter Klafka dem „Spiegel“. Auch Frauke Rogalla vom Verbraucherzentrale Bundesverband bestätigt: „Die Vorteile treten nicht pauschal in jedem Haushalt ein, sondern sind von einer Reihe anderer Faktoren abhängig, wie zum Beispiel die Art der Serviceleistung, die mit dem Zähler geliefert werden oder die Größe des Haushaltes. Bestimmte Abläufe und Gewohnheiten werden sich nur schwer verändern lassen und sich nicht danach richten können, wann der Strom besonders günstig ist“, erinnert die Energieeexpertin. „Die meisten Stromfresser sind entweder mit Aktivitäten verbunden, die sich nicht ohne weiteres verschieben lassen, also beispielsweise Herd, Fernseher, Spielkonsolen oder beständig in Betrieb sein müssen, beispielsweise Kühlschrank oder Gefriertruhe“, sagt Thorsten Storck vom Verbraucherportal „Verivox“. Und auf viele der typischen Stromfresser wie beispielsweise Fön, Computer oder Spielekonsole werden Verbraucher nur schwer tagsüber verzichten: „Den morgendlichen Kaffee wird man schwer in günstige Zeiten verlagern können“, bemerkt Rogalla.

Trotzdem gibt es nach Ansicht von Verbraucherschützern manche Geräte, bei denen der Verbraucher tatsächlich nicht merkt, wann diese Geräte den Strom beziehen: „Zu den typischen Stromfressern, deren Nutzung man relativ problemlos auf andere Zeiten verlegen kann, gehören Waschmaschine, Wäschetrockner und Geschirrspüler“, sagt Storck. „Bei Gefriergeräten und Kühl-Gefrierkombis verhält es sich so, dass die Geräte normalerweise bis auf etwa minus 18 Grad herunterühlen. Dabei ist es egal, wann das Gerät dafür die Energie tatsächlich benötigt, hier ist es relativ einfach, dass Geräte auf minus 18 Grad kühlen, wenn die Energie billig ist und dann langsam wieder hochfahren“, erklärt Frauke Rogalla. „Gefriergeräte eignen sich daher gut und große Kühlhäuser werden teilweise heute schon als Energiespeicher genutzt“, sagt die Verbraucherschützerin.

Auch Geschirrspülmaschinen können am Abend laufen, weil sie relativ leise sind. Bei Waschmaschinen kann es da in älteren Mietwohnungen schon eher Probleme mit den Nachbarn geben.

Bislang machen auch die Kosten für die intelligente Revolution beim Stromverbrauch den deutschen Häuslebauern einen Strich durch die Rechnung: „Die meisten Angebote sind momentan mit hohen Kosten verbunden, beispielsweise für die Installation oder höhere Grundgebühr, sodass das Kosten-Nutzen-Verhältnis oft nicht ausgeglichen ist“, warnt Energieexpertin Frauke Rogalla. Und tatsächlich ist das High-Tech-Gerät nicht ganz billig: Bei EnBW kommen neben einer einmaligen Einbaugebühr von 99,90 Euro monatliche Grundgebühren von 14,95 Euro dazu. Yello berechnet eine Einrichtungsgebühr von 79 Euro. Die monatliche Grundgebühr liegt regional unterschiedlich bei Yello-Strom zwischen rund vier und neun Euro. Und damit nicht genug: Nach Einschätzung des Aachener Energieberaters Peter Klafka verursacht ein intelligenter Zähler sogar erst einmal zusätzlichen Stromverbrauch, weil die Tarifdaten rund um die Uhr übertragen werden müssen.

Sebastian Wieschowski

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