Der "knallharte" Kampf der Metallarbeiter beginnt

- Frankfurt - In der Metall- und Elektroindustrie beginnt die heiße Phase der Tarifrunde. Das erste Angebot der Arbeitgeber hat den Konflikt derart verschärft, dass niemand mehr mit einer Einigung vor dem Ende der Friedenspflicht an diesem Mittwoch rechnet. Punkt Mitternacht werden deshalb die ersten Nachtschicht-Arbeiter streiken. In den folgenden Tagen wird die IG Metall immer mehr Beschäftigte zu Warnstreiks aufrufen.

<P>Wenn der Druck der Basis bis zu einem Treffen der Bezirksleiter am 9. Februar keine Wirkung zeigt, steuert die wichtigste deutsche Industrie auf einen Arbeitskampf zu. "Das wird knallhart", ist ein Metaller überzeugt. Allein der Streit um Lohn- und Gehaltssteigerungen für die 3,5 Millionen Beschäftigten bietet Zündstoff genug.</P><P> Öffnungsklauseln haben Sprengkraft</P><P>Zwischen der Forderung der IG Metall von vier Prozent mehr Lohn sowie Gehalt für zwölf Monate und dem ersten Angebot von zwei Mal 1,2 Prozent für 27 Monate liegen Welten, die sich nur mühsam annähern lassen werden. "Auch für ein erstes Angebot ist das sehr harter Tobak und jenseits der Schmerzgrenze". stellt der Tarifexperte Reinhard Bispinck fest. Der Ausgleich für die Teuerung spiele für die Arbeitgeber offenbar keine Rolle mehr. Die Folge könne ein Reallohnverlust für die Beschäftigten sein. Allerdings dürfte der Preisauftrieb auch in diesem Jahr nicht deutlich über den 1,1 Prozent von 2003 liegen.<BR><BR>Noch mehr Sprengkraft als der Streit um die Lohnzahl hat jedoch die grundsätzliche Auseinandersetzung über das künftige Tarifsystem. Als Vorbedingung für Lohnerhöhungen verlangen die Arbeitgeber Öffnungsklauseln im Tarifvertrag, damit Unternehmen und Betriebsräte in eigener Regie über längere Arbeitszeiten mit oder ohne Lohnausgleich entscheiden können. Die Betriebe bräuchten nach drei Jahren wirtschaftlicher Stagnation dringend mehr Spielräume, um ihre Kosten zu senken, Beschäftigung zu sichern und Verlagerungen ins Ausland zu stoppen, begründet Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser die Forderung nach einem Arbeitszeitkorridor von 35 bis 40 Stunden. Die zusätzlichen Stunden sollen entweder ganz, teilweise oder gar nicht bezahlt werden.<BR><BR>Die IG Metall weist dieses Ansinnen mit einem doppelten Nein zurück. "Wir machen weder einer Verlängerung der Regelarbeitszeit mit noch reichen wir für unbezahlte Mehrarbeit die Hand", betont IG-Metall-Vize Berthold Huber. Wenn die Beschäftigten ohne Bezahlung fünf Stunden länger arbeiten, spart das Unternehmen nach Gewerkschaftsangaben 12,5 Prozent der Kosten, der Arbeitnehmer verliert aber 14,3 Prozent seines Einkommens.</P><P> "Die Debatte um längere Arbeitszeiten ist in Wirklichkeit ein verkappter Verteilungskampf", stellt die IG Metall fest. "Die Metalltarife bieten nahezu jedes erdenkliche Maß an Arbeitszeitflexibilität, nur eines nicht: Arbeitszeitverlängerung ohne Bezahlung", stellt Tarifexperte Bispinck fest. Sollte den Metall-Arbeitgebern die Durchsetzung dieser Forderung gelingen, habe dies auch Signalwirkung für die Tarifverhandlungen in anderen Branchen.<BR></P>

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