IPO: Heinz Hermann Thiele und seine Frau Nadia beim Börsengang von Knorr-Bremse im Oktober 2018 in Frankfurt. Nach dem Tod der Münchner Unternehmer-Legende muss die Familie jetzt Thieles Vermächtnis regeln.
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IPO: Heinz Hermann Thiele und seine Frau Nadia beim Börsengang von Knorr-Bremse im Oktober 2018 in Frankfurt. Nach dem Tod der Münchner Unternehmer-Legende muss die Familie jetzt Thieles Vermächtnis regeln.

Münchner Unternehmer-Legende

Knorr-Bremse: Erben von Heinz Hermann Thiele droht milliarden-schwere Erbschaftssteuer

  • Thomas Schmidtutz
    vonThomas Schmidtutz
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Heinz Hermann Thiele hat aus dem Münchner Mittelständler Knorr-Bremse einen Weltmarktführer gemacht. Nach seinem Tod muss die Familie jetzt seine Nachfolge regeln - und eine milliarden-schwere Forderung.  

München – Die Erben des verstorbenen Münchner Unternehmers Heinz Hermann Thiele stehen vor einer milliarden-schweren Erbschaftssteuer-Forderung. Das berichtet das Manager-Magazin in seiner aktuellen Ausgabe. Danach kommen auf Thieles Tochter Julia Thiele-Schürhoff (50) sowie dessen Witwe Nadia (45) eine Finanzamtsforderung von über fünf Milliarden Euro zu. Dies wäre die wohl höchste Erbschaftssteuer, die bislang in Deutschland fällig geworden sei, schreibt das Magazin.

Thiele hielt zuletzt 59 Prozent am traditionsreichen Münchner Unternehmen Knorr-Bremse. Gemessen am aktuellen Kursniveau entspricht alleine diese Beteiligung am Weltmarktführer für Lkw- und Schienenbremssysteme einem Marktwert von knapp zehn Milliarden Euro. Außerdem gehörten ihm 50,1 Prozent der Aktien am Lok- und Bahntechnik-Spezialisten Vossloh. Dazu kommen zahlreiche Immobilien in München, Südamerika, auf Sardinien sowie Südafrika, wo Thiele regelmäßig die Weihnachtsfeiertage verbrachte.

Einer breiten Öffentlichkeit wurde der durchsetzungsstarke Unternehmer und Patriarch im Vorjahr bekannt, als er in der Corona-Krise zum größten Aktionär der krisengebeutelten Lufthansa aufstieg. Die Nachrichtenagentur Bloomberg taxierte sein Vermögen auf rund 20 Milliarden Dollar.

Knorr-Bremse: Thiele hatte Stiftungslösung geplant

Laut Manager-Magazin habe Thiele eigentlich geplant, seinen Besitz in eine Familienstiftung zu überführen. Allerdings habe die Stiftung zum Zeitpunkt seines Todes noch nicht existiert. Damit könnten auch mögliche Steuervorteile nicht genutzt werden. Deshalb müssten sich die Erben nun auf die rekordhohe Steuerforderung einstellen. Den entsprechenden Betrag könne die Familie jedoch begleichen, ohne sich von Anteilen an Knorr-Bremse oder Vossloh trennen zu müssen, hieß es.

Thiele war am 23. Februar im Alter von 79 Jahren gestorben. Der gebürtige Mainzer hatte nach seinem Jurastudium 1969 als Sachbearbeiter in der Patentabteilung von Knorr-Bremse angefangen. 1979 wurde er Vertriebschef, 1985 übernahm er mit Hilfe eines Kredits der Deutschen Bank seinen Arbeitgeber. Im Oktober 2018 führte er den Konzern an die Börse.

Knorr-Bremse: Thiele hinterlässt große Lücke

Bei Knorr-Bremse hinterlässt der Unternehmer eine große Lücke. Innerhalb des Vorstands knirsche es gewaltig, schreibt das Manager-Magazin. Die beiden neu berufenen Vorstände Frank Markus Weber (Finanzen) und Vorstandschef Michael Mrosik verfügten nicht über die nötige Hausmacht und müssten sich gegen die beiden selbstbewussten Sparten-Vorstände Peter Laier (Nutzfahrzeuge) und Jürgen Wilder (Bahn) durchsetzen.

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