Köhler bezeichnet Finanzmärkte als "Monster"

Hamburg - Mit Blick auf die weltweite Krise der Finanzmärkte hat Bundespräsident Horst Köhler die Banken hart kritisiert. "Wir waren nahe dran an einem Zusammenbruch der Weltfinanzmärkte", sagte Köhler dem Magazin "Stern".

Die Finanzmärkte hätten sich "zu einem Monster entwickelt, das in die Schranken gewiesen werden muss". Dies müsse auch jedem verantwortlich Denkenden in der Finanzwelt klar geworden sein. Ganz offensichtlich hätten die Banker so viele Derivate geschaffen, dass sie am Ende selbst nicht mehr verstanden hätten, wie diese wirkten.

"Die Überkomplexität der Finanzprodukte und die Möglichkeit, mit geringstem eigenem Haftungskapital große Hebelgeschäfte in Gang zu setzen, haben das Monster wachsen lassen", sagte Köhler, der früher Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) war. "Es hat kaum noch Bezug zur Realwirtschaft." Dazu gehören auch "bizarr hohe Vergütungen für einzelne Finanzmanager". Die Finanzwelt habe sich "mächtig blamiert". Er vermisse aber noch immer als Schuldbekenntnis "ein klar vernehmbares Mea Culpa".

Der Bundespräsident forderte zugleich eine strategische Überprüfung des deutschen Finanzsektors. "Die meisten Landesbanken haben offensichtlich kein tragfähiges Geschäftsmodell", sagte Köhler. Er habe daher schon vor seiner Zeit als Bundespräsident für die beste Lösung gehalten, dass die sieben beherrschenden Landesbanken zu einer Zentralbank der Sparkassen fusioniert würden. Auch die deutschen Privatbanken "sollten sich in einer Form konsolidieren, dass wir uns auf sie verlassen können".

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