Der "König des Backpulvers" ist tot

- Bielefeld -­ Im Alter von 90 Jahren ist Rudolf August Oetker gestern in Hamburg gestorben. In den Medien wurde der Senior-Chef des des Familienkonzerns Dr. Oetker als "König des Backpulvers", "Deutschlands größter Bierbrauer" oder "Europas führender Pizzabäcker" tituliert. Die Beinamen zeigen vor allem eins: Rudolf August Oetker war eine der großen deutschen Unternehmerpersönlichkeiten.

Auf rund 4,2 Milliarden Euro wird das Vermögen der Bielefelder Familie geschätzt. Und der am 20. September 1916 geborene Rudolf August Oetker hatte maßgeblichen Anteil daran, dass aus dem Backpulver-Hersteller eines der Familienimperien mit dem breitesten Angebot in Deutschland wurde. Denn er war es, der nach dem Zweiten Weltkrieg das angeschlagene Unternehmen wieder aufbaute und zu neuen Höhen führte.

1944 hatte er im Alter von 28 Jahren die Führung der Oetker Nährmittelfabrik übernehmen müssen, nachdem seine Mutter Ida Oetker und sein Stiefvater Richard Kaselowsky bei einem Bombenangriff getötet worden waren. In den Wirtschaftswunderjahren erschloss Oetker zügig neue Geschäftsfelder. So sicherte er sich die Mehrheit an der Reedereigruppe Hamburg-Süd und avancierte unter Ausnutzung der damaligen Steuergesetzgebung zum größten deutschen Privatreeder.

Daneben übernahm er Sektkellereien (Henkell, Söhnlein, Deinhard), Spirituosenhersteller (Wodka Gorbatschow) und Brauereien (Binding, Dortmunder Aktienbrauerei). Er kaufte das Bankhaus Hermann Lampe und Luxushotels in Paris, an der Côte d‘Azur und am Vierwaldstätter See.

Während dem Firmenchef im Geschäft der Erfolg treu blieb, musste er im Privatleben einige Schicksalsschläge verkraften. Sein Vater starb vor seiner Geburt 1916 vor Verdun. Sein Sohn Richard Oetker wurde 1976 entführt und erst nach Zahlung von 21 Millionen Mark (10,5 Millionen Euro) Lösegeld schwer verletzt freigelassen. Der Entführer Dieter Zlof wurde später zu 15 Jahren Haft verurteilt. Bereits 1981 zog sich Rudolf August Oetker aus dem Tagesgeschäft zurück, und überließ seinem Sohn August Oetker die Leitung des Unternehmens. Ende 2002 sicherte er außerdem mit der Übertragung des wesentlichen Teils seines Vermögens auf die nächste und übernächste Generation das Weiterbestehen der Oetker-Gruppe als unabhängiges Familienunternehmen.

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