Königsweg oder Kostenfalle? Der Zuschuss zum Mini-Lohn

- München - Millionen könnten wieder in Arbeit kommen. So sehen es zumindest die Befürworter des Kombilohns. Doch das Projekt, das zum Ziel hat, Arbeitsaufnahme durch einen Zuschuss zum geringen Lohn zu fördern, könnte auch eine Reihe unerwünschter Nebenwirkungen mit sich bringen.

Geld fürs Nichtstun

Derzeit bekommen Menschen Geld vom Staat, wenn sie nicht für Lohn arbeiten: Sozialhilfe, Arbeitslosengeld I und II und zahlreiche andere Leistungen sichern den Lebensunterhalt. Anspruch auf Hilfe hat zwar auch, wer arbeitet und wenig verdient. Doch der Zuverdienst muss zum allergrößten Teil an öffentliche Kassen abgeführt werden. Der erste selbst verdiente Euro ist damit mit höheren Abgaben verbunden als zum Beispiel der Einkommenssteuersatz für Spitzenverdiener.

Zuschuss für Arbeit

Hier setzt das Konzept des Kombilohns an: Wer einen gering bezahlten Job annimmt, bekommt als Lohn zwar weniger, als er zum Leben braucht, aber dazu vom Staat einen zweiten Lohn. Damit soll auch gering bezahlte Arbeit einen Lebensstandard deutlich über dem Niveau der Sozialhilfe ermöglichen. Vor allem für geringqualifizierte Arbeitslose könnte das den Rückweg in eine reguläre Beschäftigung ebnen. Mit Kostenneutralität rechnet CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla. "Der Kombiteil auf die Löhne" werde geringer sein, "als das, was wir bisher an Arbeitslosengeld II gezahlt haben", sagt er.

Geld zum Mitnehmen

Das funktioniert nur, wenn neue Jobs geschaffen werden. Doch die Gewerkschaften rechnen damit, dass auch viele bisher höher bezahlte Stellen in Kombilohn-Stellen verwandelt werden. Vor allem Verdi ist deshalb strikt gegen die Idee, weil ihre Umsetzung das allgemeine Lohnniveau drückt. Das bestätigt der Wirtschaftswissenschaftler Rolf Peffekoven, der befürchtet, es werde durch die Einführung eines Kombilohns "zu gewaltigen Mitnahme-Effekten kommen".

Die Hilfen kürzen

Dennoch ist Peffekoven für einen Kombilohn. Er fordert aber, die Subventionen fürs Nichtstun, vor allem das Arbeitslosengeld II, massiv zu kürzen. Allerdings würde das auch viele Hilfeempfänger treffen, die etwa wegen einer Krankheit oder Behinderung nicht arbeiten können.

Aktivierende Hilfe

Hier setzt das Modell der "aktivierenden Sozialhilfe" des Münchner Ifo Instituts an, für das vor allem Instituts-Chef Hans-Werner Sinn eintritt. Das Konzept sieht vor, die Hilfen - nur für Arbeitsfähige - um ein Drittel zu kürzen und ihnen - bei Aufnahme einer Beschäftigung - den zweiten Lohn zu bezahlen. Doch auch dieses Modell wirft in der Praxis Probleme auf. Denn in vielen Fällen, etwa bei allein erziehenden Elternteilen oder bei Krankheit, ist es sehr schwer zu entscheiden, wer in welchem Umfang arbeiten kann. Diese Frage dürfte in vielen Fällen vor Gericht ausgefochten werden. So könnte es sein, dass wirklich Kranke gegenüber geschickten Simulanten benachteiligt werden, nur weil diese ihre Interessen beim Marsch durch die Institutionen besser durchzusetzen wissen.

Ein Kombilöhnchen

Eine Möglichkeit wäre es, Einkommenszuschüsse auf Problemgruppen zu begrenzen, wie es der wirtschaftspolitische Sprecher der Union im Bundestag, Laurenz Meyer, fordert. Davon könnten junge Arbeitslose bis zu 25 Jahren, über 55-Jährige und allein erziehende Mütter profitieren, deren Löhne vom Staat über das Existenzminimum aufgestockt werden. Allerdings ist auch dabei das Problem ungelöst, dass subventionierte Arbeitnehmer mit nicht subventionierten konkurrieren - und diese dann in die Arbeitslosigkeit verdrängen könnten.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

London wirft Uber raus - Widerspruch angekündigt
Uber schien die heftigen Konflikte mit Behörden und Taxi-Branche in Europa beigelegt zu haben, doch nun sorgt London für einen Eklat. Die britische Hauptstadt will den …
London wirft Uber raus - Widerspruch angekündigt
London wirft Fahrdienst Uber raus
Uber wollte dem Taxi Konkurrenz machen. Zumindest in London ist das vorerst schiefgegangen: Die Stadt will den Fahrdienst von ihren Straßen verbannen.
London wirft Fahrdienst Uber raus
Adidas-Chef: Atempause für schwächelnde Tochter Reebok
Nürnberg (dpa) - Adidas-Chef Kasper Rorsted will die schwächelnde US-Tochter Reebok bis mindestens Ende 2018 behalten. Auf die Frage, ob Reebok zu diesem Zeitpunkt noch …
Adidas-Chef: Atempause für schwächelnde Tochter Reebok
Widerstand gegen Stahlfusion wächst
Nach dem Bekanntwerden der Fusionspläne für die europäischen Stahlsparten von Thyssenkrupp und Tata wächst im Ruhrgebiet die Empörung. Die Kritik entzündet sich auch an …
Widerstand gegen Stahlfusion wächst

Kommentare