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MAN könnte seine Eigenständigkeit verlieren.

VW könnte Eigenständigkeit von MAN beenden

München - MAN und Scania pflegen kein einfaches Verhältnis. Über ihr Schicksal können die Konkurrenten aber nur bedingt selbst entscheiden. Die Fäden zieht VW. Dort nehmen Pläne Gestalt an, über die seit Jahren spekuliert wird.

Die Zeit der Eigenständigkeit könnte für den Lastwagenbauer MAN langsam ablaufen. Die Gerüchte über ein enges Zusammenrücken mit dem schwedischen Konkurrenten Scania verdichten sich, allerdings unter Vorzeichen, die manchem innerhalb des traditionsreichen Unternehmens nicht wirklich gefallen dürften. Seit mehreren Monaten reden beide Unternehmen über eine mögliche technische Zusammenarbeit, nun könnten sich die Strukturen ändern. Angeblich sollen die Schweden die Münchner übernehmen - für den Volkswagen-Konzern. Dort, in Wolfsburg, werden die Fäden gezogen. VW hält die Stimmmehrheit bei Scania und ist größter MAN-Aktionär.

Nach Monaten der Spekulationen steht immerhin fest: Scania prüft einen Zusammenschluss mit MAN. In knappen Worten teilten die Schweden mit, was Fachleute lange erwartet haben. Unklar sind die Bedingungen. Die Münchner, die sich nach einem “Spiegel“-Bericht auch zu einer Stellungnahme veranlasst sahen, vermieden allerdings das Wort Zusammenschluss. Bei VW übt man sich in Zurückhaltung. Ein Sprecher sagte: “Wir unterstützen die Gespräche der beiden Unternehmen.“ Nun müsse man abwarten, was dabei herauskommt. Weder sei ein Ergebnis absehbar, noch eine Entscheidung gefallen, betonte MAN schriftlich. Seit Jahren wird VW nachgesagt, die Lkw-Geschäfte neuordnen und unter dem Dach des Konzerns bündeln zu wollen. Einen Vorstand dafür haben die Niedersachsen mit Jochem Heizmann bereits berufen; was noch fehlt, ist ein Reich für den neuen König.

Die Wolfsburger könnten dafür auch Geld in die Hand nehmen, denn die Kasse ist gut gefüllt: Bis Ende September waren es fast zwanzig Milliarden Euro. Spekuliert wird nun, dass VW den Anteil an Scania weiter aufstocken und das eigene MAN-Paket an die Schweden weiterreichen könnte. Die würden ihrerseits den verbleibenden MAN-Aktionären ein Übernahmeangebot machen, schreibt der “Spiegel“. Treibende Kraft hinter den Plänen für ein engeres Zusammenrücken der Lastwagenbauer dürfte wohl der mächtige Automann Ferdinand Piëch sein, VW- und MAN-Aufsichtsratschef. Er soll sich seit Jahren eine Lastwagenholding wünschen, die das Angebot des Konzerns abrundet: von Klein-, über Sport- und Luxus- bis hin zu schweren Lastwagen. Volkswagen hält die Stimmrechtsmehrheit an Scania, an MAN sind die Wolfsburger mit knapp 30 Prozent beteiligt. Die Münchner halten gut 17 Prozent der Stimmrechte bei den Schweden - Möglichkeiten zur Neuordnung gibt es also reichlich.

Fast genauso reichlich waren bislang die Gerüchte über die Zukunft der Hersteller. Fest stand nur: Wer mit wem künftig was macht, wird am Ende in Wolfsburg entschieden. Und vor wenigen Monaten unterstrich Piëch, was er sich vorstellt. Lange hatte er gewartet. Erst kurz vor Ende der Hauptversammlung von MAN Anfang April trat Piëch noch einmal ans Mikrofon und sagte, dass er eine enge Zusammenarbeit zwischen den Münchnern und Scania wünsche. “Ich bin überzeugt, wir bringen sie zustande“, sagte Piëch. Er rechne mit einem Einsparpotenzial von einer halben Milliarde Euro. Nach dem Ende des Übernahmestreits zwischen VW und Porsche habe er nun mehr Zeit, sich um “diese Kooperation zu kümmern“, fügte Piëch hinzu. Und die Worte des mächtigen VW-Patriarchen haben Gewicht.

Die beiden mit VW verbandelten Rivalen vereinbarten danach rasch, über die Möglichkeiten einer technische Kooperation zu reden. Schon dies war ein großer Schritt, denn beide Seiten haben kein einfaches Verhältnis, spätestens seit MAN mit einem Übernahmeversuch bei Scania am damaligen Großaktionär Wallenberg scheiterte. Danach hatte Piëch sich in langen Gesprächen mit Wallenberg darauf geeinigt, dessen 30- Prozent-Paket zu übernehmen. 2007 wurde Scania neunte Marke im VW- Konzern. Der sicherte zu, Scania als selbstständiges Unternehmen zu halten - den Firmensitz, die eigene Kultur und das eigene Profil. “Möglicherweise hat man seinerzeit schon festgelegt, dass - wenn eine Fusion ansteht - diese unter schwedischer Führung stattfindet“, sagt Nord/LB-Experte Frank Schwope. Bei einem Zusammenschluss halte er die Möglichkeit einer Bündelung unter dem Scania-Dach für relativ groß. Bei der IG Metall - zumindest in Bayern - sieht man das anders. “Wir lehnen eine Übernahme der MAN SE durch Scania klar ab“, ließ Bezirkschef Jürgen Wechsler postwendend mitteilen.

dpa

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