Koflers Abgang erschreckt die Aktionäre

München - Völlig unerwartet kehrt Georg Kofler Premiere den Rücken. Der Südtiroler gibt nicht nur den Chefposten bei dem Münchner Bezahlsender auf, sondern hat sich auch von all seinen Firmenanteilen getrennt. Die Anleger reagierten verstört.

­Für Überraschungen war Georg Kofler schon immer gut. Erst kürzlich hatte sich der 50-jährige Südtiroler mit dem Rückkauf der Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga vom Konkurrenten Arena zurückgemeldet und den Abo-Sender nach eineinhalb Jahren wieder in ruhigeres Fahrwasser gebracht. Nun verlässt er das Unternehmen auf eigenen Wunsch und entgegen anders lautender Aussagen zum 31. August. Sein Vertrag wäre noch bis Herbst 2009 gelaufen.

Die Zeit für einen Themenwechsel sei gekommen, erklärte Kofler am Montag nach fünfeinhalb Jahren an der Spitze des Unterföhringer Bezahlsenders. "Ich beabsichtige, als führender Gesellschafter eine Unternehmensgruppe aufzubauen, die sich in ausgewählten Wachstumsmärkten positioniert." Fest steht bislang aber nur, dass diese neue Gesellschaft nicht im Medienbereich aktiv sein wird. Für seinen vorzeitigen Abgang bei Premiere erhält Kofler keine Abfindung: "Mehr als das August-Gehalt gibt es nicht mehr", sagte ein Unternehmens-Sprecher gegenüber unserer Zeitung.

Auf den Premiere-Chefsessel wird der bisherige Finanzvorstand Michael Börnicke nachrücken. Der 47-Jährige sprach von einer der "reizvollsten Aufgaben im europäischen Mediensektor". Er hatte seit 1998 verschiedene Posten in den Vorgänger-Gesellschaften der Premiere AG inne und verantwortete schließlich den Börsengang des führenden deutschen Bezahlfernsehsenders im März 2005. Kofler sagte, sein langjähriger "engster Partner und Weggefährte" im Unternehmen habe Fähigkeiten, die weit über das Finanzressort hinausgingen.

An der Börse sorgte die Nachricht von Koflers Rücktritt dennoch für einen Kursrutsch der Premiere-Aktie. Das Papier brach am Vormittag in der Spitze um 4,7 Prozent ein und ging am Abend mit einem Minus von gut drei Prozent auf 18,03 Euro aus dem Handel. Der Weggang des umtriebigen Managers sei ein Verlust für Premiere, begründete Michael Bahlmann, Analyst bei der Hamburger Bank M. M. Warburg, den Kursknick. "Kofler ist ein ausgewiesener Medien- und Marketingfachmann, der die Sanierung des Senders maßgeblich vorangebracht hatte."

Andere Marktbeobachter erklärten die Verluste des Premiere-Papiers noch mit einem weiteren Grund: Kofler gab gleichzeitig mit seinem Rückzug als Vorstandschef bekannt, dass er sich schon vergangene Woche von seinen letzten noch verbliebenen 1,2 Millionen Aktien des Senders getrennt habe; damit dürfte er gut 23 Millionen Euro verdient haben. "Der Aktienmarkt hat den Verkauf als Zeichen gewertet, dass Kofler nicht mehr viel Kurspotenzial bei Premiere erwartet", sagte Jürgen Kurz, Sprecher der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz . Bereits im Februar hatte Kofler ein Premiere-Aktienpaket für rund 180 Millionen Euro abgegeben und damit einen Kurssturz ausgelöst.

Der scheidende Premiere-Chef trat dem Eindruck allerdings entschieden entgegen, er zweifle an der Zukunft von Premiere. Nach dem Vertragsabschluss mit Arena beginne für das Unternehmen eine neue Entwicklungsphase, ließ er mitteilen. "Die Weichen sind wieder auf Wachstum gestellt, die Ausgangsposition ist hervorragend."

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