So kommen Bahnfahrer durch das Chaos

München - Es ist wieder so weit: Die Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) hat im Konflikt mit der Deutschen Bahn Streik angekündigt: ab Montag im Nah-, Fern- und Güterverkehr. Wir fassen zusammen, was Bahnfahrer jetzt wissen müssen.

Wann wird wo gestreikt?

Die GDL hat angekündigt, mit dem Streik am Montag um 0 Uhr zu beginnen. Betroffen sind alle Bereiche: Nah-, Fern- und Güterverkehr. Der Streik ist unbefristet. Er soll erst beendet werden, wenn die Bahn den Gehaltstarifvertrag mit der GDL unterschreibt. Er kann also auch mehrere Tage dauern.

Wer ist davon betroffen?

Auch wenn nach Branchenangaben nur etwa 7000 der 20 000 Lokführer als GDL-Mitglieder streikberechtigt sind, wird die Auswirkungen praktisch jeder spüren, der sich im Verkehr bewegt: Bahnreisende müssen sich auf einen Notfahrplan einstellen. Dieser gilt ab Montag und führt zu einem stark reduzierten Angebot sowohl bei Fernverbindungen als auch auf regionalen Strecken und im S-Bahn-Verkehr.

MVG-Kunden, die in München mit U-Bahn, Tram und Bus unterwegs sind, müssen zwar keine direkten Folgen befürchten. Diese Bereiche sind nicht von den Streiks betroffen. Aber indirekt könnte es zu Beeinträchtigungen kommen, weil viele Bahnfahrer auf die MVG-Verkehrsmittel ausweichen. Dies betreffe insbesondere die Tram 19, die parallel zur Bahnstrecke Pasing-Hauptbahnhof fährt und damit eine Alternative für viele Bahnfahrer darstellt, teilte die MVG mit. Die Kapazität auf dieser Linie soll deshalb mit größeren Zügen erhöht werden. Diese fehlen dafür auf den Linien 20 und 21. Hier wird es enger. Die MVG empfiehlt, gegebenenfalls auf die U-Bahnlinie 1 umzusteigen.

Bei Bedarf will die MVG auf überlasteten Linien "Verstärkerbusse" einsetzen. In der Vergangenheit hätten Bahnstreiks aber teils auch zu einer geringeren Zahl an Fahrgästen geführt, weil viele Menschen freigenommen hätten oder auf das Auto umgestiegen seien, berichtet ein MVG-Sprecher.

Autofahrer dürften nach Einschätzung des ADAC ebenso vom Bahnstreik betroffen sein. "In Ballungsräumen wie München wird es relativ eng werden", vermutet ein Sprecher. Erfahrungsgemäß verlagert sich der Berufsverkehr um ein oder zwei Stunden nach vorne, weil viele Pendler früher starten. Fernstrecken auf der Autobahn dürften dagegen kaum beeinträchtigt werden. Auch der abendliche Berufsverkehr, der grundsätzlich stärker entzerrt ist, dürfte weniger leiden.

Wo bekommen Reisende Infos?

Informationen über Verspätungen und den Notfahrplan gibt die Bahn im Internet unter www.bahn.de, für Nutzer eines WAP-fähigen Mobiltelefons unter der Adresse mobile.bahn.de/ris sowie telefonisch unter der kostenlosen Hotline 0 8000 / 99 66 33. Diese ist aus dem Ausland unter der Nummer 0049 / 1805 / 33 44 44 erreichbar. Die Bahn will rund 1000 zusätzliche Kundenbetreuer und 1700 zusätzliche Kräfte in der telefonischen Auskunft einsetzen.

Erhalten Bahnkunden Geld zurück?

Verpassen Reisende wegen des Streiks einen Anschlusszug, können sie mit dem nächsten Zug weiterfahren - auch wenn dies ein höherwertiger Zug ist. Die Bindung an einen bestimmten Zug, die oft Voraussetzung für günstige Bahnkarten ist, gilt dann nicht mehr. Ebenso können Reisende kostenlos zu ihrem Ausgangsbahnhof zurückfahren, wenn die Fahrt streikbedingt abgebrochen wird. Dabei wird der Fahrpreis erstattet. Kann eine Fahrkarte wegen des Streiks nicht genutzt werden, können Kunden diese kostenlos umtauschen oder sich den Preis erstatten lassen. Erstattungen können bis Ende des Monats erfolgen.

Kann der Streik noch abgewendet werden?

Ja, allerdings gilt das als unwahrscheinlich. Es wird damit gerechnet, dass Bahn und GDL auf ihren Positionen verharren. Selbst wenn es noch zu einer Einigung käme, würde der Notfahrplan wegen des nötigen Planungs-Vorlaufs am Montag in Kraft treten, hat die Bahn angekündigt.

Zu spät im Job: Was droht?

Arbeitnehmer müssen zumutbare Vorkehrungen treffen, damit sie nicht zu spät in die Arbeit kommen. Dazu gehört nach Einschätzung von Juristen, auf das Auto umzusteigen oder eine Fahrgemeinschaft mit Kollegen zu bilden. Wer es nicht pünktlich in die Arbeit schafft, sollte den Chef schnellstmöglich informieren. Sonst kann eine Abmahnung drohen.

Findet die Schule trotzdem statt?

Der Unterricht findet auf jeden Fall statt. Wenn Schüler wegen des Bahnstreiks zu spät kommen, bedürfe es keiner zusätzlichen Entschuldigung durch die Eltern, erklärt ein Sprecher des bayerischen Kultusministeriums. Wer es wegen Streiks gar nicht zum Unterricht schafft, sollte die Schule umgehend darüber informieren.

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