Urlaub soll Spaß machen, doch wenn die Reisefreude getrübt wird, kann man einen Teil des Preises zurückfordern. Allerdings muss man Fristen einhalten und sich bereits am Urlaubsort beim Reiseleiter beschweren. Foto: Fotolia

So kommen Urlauber zu ihrem Recht

München - Es sollen die schönsten Wochen des Jahres sein. Doch was tun, wenn der Urlaub durch Ärger am Ferienort vermiest wurde? Etwa weil das Zimmer dreckig, das Essen mies oder der Meerblick verbaut war? Wer rechtzeitig reklamiert und einige Regeln beachtet, kann Geld zurückbekommen.

Von Wolfgang Büser

Eigentlich will man sich entspannen und die freie Zeit genießen. Doch immer wieder bringt der Urlaub auch Ärger. Den muss man aber nicht einfach hinnehmen, sondern kann etwas unternehmen. Im Laufe der Jahre hat eine immer selbstbewusster auftretende Riege von Reisenden für Entscheidungen der Gerichte gesorgt, die zumindest im Nachhinein Genugtuung gebracht haben. Die aufgestellten Regeln können zwar nicht auf jeden Einzelfall übertragen werden. Sie geben aber nützliche Anhaltspunkte für eigene Ansprüche. Denn: Hat eine Reise wesentliche Mängel, ist der Veranstalter schadenersatzpflichtig.

Die Reisenden müssen sich allerdings an Spielregeln halten, um nicht aus formalen Gründen abgewiesen zu werden. So ist es unerlässlich, Reklamationen am Urlaubsort gegenüber der Reiseleitung vorzubringen. Dies ist schon deshalb angebracht, weil nur so die Chance besteht, Beanstandungen aufzugreifen und die Probleme zu lösen, etwa wenn der zugesagte Meerblick sich allenfalls mit verrenktem Hals erhaschen lässt.

Mängel schriftlich

bestätigen lassen

Außerdem empfiehlt es sich, auf Abhilfe zu drängen oder - falls das nicht möglich sein sollte - sich zumindest eine Bestätigung des Mangels geben zu lassen. Die ist spätestens bei der Rückkehr wichtig, wenn es darum geht, den Reiseveranstalter nachträglich zur Kasse zu bitten. Dafür kann es auch nützlich sein, Zeugen benennen zu können und Fotos parat zu haben, die das Bemängelte dokumentieren.

Der zweite Schritt muss spätestens einen Monat nach der Rückkehr folgen: Die Ansprüche müssen gegenüber dem Reiseveranstalter schriftlich geltend gemacht werden. Dabei genügt es nicht, seinem Ärger Luft zu machen. Es müssen schon Ross und Reiter genannt - und die dafür gewünschte Reisepreisminderung angegeben werden. Das Reisebüro ist im Regelfall dabei behilflich.

Die Größenordnung variiert je nach Fall und Mangel. Ein erster Anhaltspunkt ist die so genannte Frankfurter Tabelle (siehe Kasten).

Der Reiseveranstalter ist laut Gesetz verpflichtet, „die Reise so zu erbringen, dass sie die zugesicherten Eigenschaften hat und nicht mit Fehlern behaftet ist“. Ist die Reiseleitung einer Aufforderung, für Abhilfe zu sorgen - beispielsweise ein Hotel der gebuchten Kategorie oder die angekündigte Zimmerqualität zu beschaffen - nicht in angemessener Frist nachgekommen, so kann der Reisende sich selbst darum kümmern und vom Veranstalter verlangen, den Zusatzaufwand zu ersetzen.

Bei Zumutungen darf

man Reise abbrechen

In besonders schweren Fällen, etwa einem völlig überfüllten Hotel und der Zumutung, mit vier Personen ein kleines Zimmer teilen zu müssen, kann die Reise auch vorzeitig abgebrochen werden. Auch hier ist es aber auf jeden Fall ratsam, sich die Mängel vom Reiseleiter bestätigen zu lassen. Ein Schreiben des Hotelbesitzers reicht dafür nicht aus.

Statt der Abhilfe kann der Reisende auch nachträglich eine Minderung des Reisepreises verlangen. Das heißt: Er nimmt die Unzulänglichkeiten hin (die er aber bei der Reiseleitung reklamieren muss), besteht aber nicht darauf, dass sie behoben werden, oder nimmt zur Kenntnis, dass im Augenblick nichts zu ändern ist. Nach der Rückkehr verlangt er eine Reisepreisminderung. Da die Rechnung schon vorher beglichen wurde, kann der Kunde eine Rückzahlung verlangen.

Neben der Minderung, also dem Schadenersatz, kann der Reisende Entschädigung für vertanen Urlaub geltend machen, wenn das Ziel des Urlaubs (oder auch nur ein Teil dieses Ziels, etwa ein Tauchkurs, der ausgefallen ist) nicht erreicht wurde. Das heißt: Der Urlauber kann in solchen Fällen einen Teil des Reisepreises und außerdem Geld dafür verlangen, dass er Zeit dafür aufgewandt hat, die er an sich anders nutzen wollte.

Entschädigung erst ab 50 Prozent Mängeln

Das gilt allerdings nach Auffassung vieler Gerichte nur dann, wenn die Urlaubsreise insgesamt mindestens zu 50 Prozent mangelhaft war. Das Landgericht Duisburg hat jedoch schon Mängel von 25 Prozent als „erheblich“ angesehen, die bar zu entschädigen seien. (Az: 12 S 89/05)

Dass die Berechnung solcher Entschädigungsansprüche (oft als „Schmerzensgeld“ bezeichnet) überaus kompliziert ist, versteht sich, da jeweils darauf eingegangen werden muss, ob ein Urlaub daheim nicht auch Erholungswert gebracht hätte. Andererseits können auch Nichterwerbstätige, also Schüler, Hausfrauen und Rentner, solche Ansprüche geltend machen. Allerdings muss - sollte der Veranstalter nicht zahlen - meist schon innerhalb eines Jahres, spätestens nach zwei Jahren geklagt werden.

Zur Höhe solcher Zahlungen haben die Gerichte die unterschiedlichsten Theorien aufgestellt, die vom Ersatz des auf die Urlaubszeit entfallenden Nettoeinkommens (bei Nichterwerbstätigen: Höhe des Reisepreises) über die Anlehnung an den Reisepreis bis zu einer Pauschale von bis zu 65 Euro pro Tag reichen. Anwälte kennen die Gepflogenheiten der örtlichen Gerichte.

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