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Georg Anastasiadis ist Stellvertretender Chefredakteur des Münchner Merkur.

Deutschland in Hysterie

Kommentar: Kampf um VW

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München - VW hat Bockmist gebaut. Doch kaum weniger verstörend als der Betrug im Arbeitnehmer-Mitbestimmungsbiotop Wolfsburg ist der Masochismus, mit dem Deutschland in den Eingeweiden seiner Industrie-Ikone fleddert. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.

Da malen sogenannte Experten den Teufel einer „existenzbedrohenden Gefährdung“ an die Wand, die sie mit ihrer Geschwätzigkeit überhaupt erst heraufbeschwören. Da beklagen Talkshow-Wichtigtuer schon das Ende des Qualitätssiegels „made in Germany“. Und kein Tag vergeht ohne neue „Enthüllungen“ und Anordnungen des selbsternannten Chefaufklärers, Bundesverkehrsminister Dobrindt (CSU), der agiert, als wolle er die Republik systematisch in einen Zustand der Hysterie versetzen.

Falls es jemandem entgangen sein sollte: Der VW-Konzern mit seinen 600 000 Mitarbeitern steht, durch eigenes Verschulden, im Mittelpunkt eines weltumspannenden Wirtschaftskrieges, dessen Gewinner Konkurrenten wie Toyota oder General Motors sein könnten. Das ist schlimm genug. Es gibt aber keinen Anlass für deutsche Offizielle, sich hier einzumischen – schon gar nicht auf der Seite der VW-Gegner. Abzuwarten bleibt, wie hoch die (auf bis zu 18 Milliarden Dollar geschätzte) Strafe der US-Behörden ausfällt. Nur zur Erinnerung: Der weltweit schlimmste Treibhausgassünder ist nicht VW. Sondern die US-Wirtschaft. Vielleicht wird beizeiten auch noch auf den Fall GM zu verweisen sein, der wissentlich Autos mit defekten Zündschlössern verkaufte. Eine dreistellige Zahl von Menschen kostete dies das Leben. Und GM kaufte sich in den USA mit überschaubaren 900 Millionen Dollar frei.

Georg Anastasiadis

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