MM-Redakteurin Manuela Dollinger.

Zu viele Fragen offen

Kommentar zum Banken-Stresstest: Zahnloser Tiger

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Es war wieder soweit: Zeugnistag für Europas Banken - oder doch nicht? Der Banken-Stresstest lässt jedenfalls Fragen offen. Ein Kommentar. 

In der Nacht auf Samstag war es wieder einmal soweit: Zeugnistag für Europas Banken. Die Bankenaufsicht EBA legte die Ergebnisse ihres Stresstests vor. In der Summe stehen die Geldhäuser demnach stabiler da als beim jüngsten Test vor zwei Jahren. Die Institute haben ihre Kapitalpolster deutlich erhöht. Eine gute Nachricht. Aber: „Krisenfest“ sind Europas Banken deshalb noch lange nicht.

Das Problem ist, dass der Stresstest – bereits aufgrund seiner Konzeption – Fragen offen lässt. So wurden lediglich sehr spezifische Krisenszenarien untersucht. Im Fokus standen die Auswirkungen eines massiven wirtschaftlichen Abschwungs. Völlig außer Acht ließen die Prüfer dagegen die Folgen einer anhaltenden Niedrigzinsphase, die mehr als wahrscheinlich ist. Dabei bedrohen die historisch niedrigen Zinsen in der Eurozone bereits heute das Geschäftsmodell vor allem der Banken, die sich auf das klassische Kredit- und Einlagengeschäft konzentrieren.

Dazu kommt, dass die EBA diesmal keine Mindestkapitalquote vorgegeben hat, die Banken bei der simulierten Krise erreichen mussten. Durchfallen war also gar nicht möglich. Entsprechend sind für die Banken, die schlecht abschnitten, auch keine regulatorischen Konsequenzen vorgesehen. Das macht aus dem Stresstest einen zahnlosen Tiger.

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