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MM-Redakteur Martin Prem.

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Immobilienkreditrichtlinie: EU-Vorgaben übererfüllt

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München - Die Grundgedanke der Richtlinie ist richtig. Doch die deutsche Regelung schränkt das Selbstbestimmungsrecht älterer Menschen über Gebühr ein.  

Das Wort wirkt abschreckend: „Immobilienkreditrichtlinie“. Man sollte sich aber damit beschäftigen. Nicht nur, wenn man ein Haus oder eine Wohnung hat oder kaufen will – und damit unmittelbar betroffen ist. Sie ist ein Beispiel dafür, was gut gemeinte Politik anrichten kann, wenn sie den Kontakt zur Lebenswirklichkeit verloren hat.

Man sollte das Häuschen, das man sich auf Pump kauft, zu Lebzeiten abzahlen können. Das will die Richtlinie, und das ist grundsätzlich richtig. Doch es gibt Situationen, die nicht in dieses Raster passen. Etwa wenn im abbezahlten Eigenheim eines Rentnerehepaares unerwartet eine teure Dachsanierung fällig ist, und die Kosten wohl nicht mehr abgestottert werden können. Oder wenn ein betagter Hausbesitzer ohne Erben eine Weltreise machen will und akzeptiert, dass nach seinem Tod sein Haus an die Bank fällt. Ein Geldhaus, das so etwas finanziert, hat nun ein Risiko und wird darauf in der Regel nicht mehr eingehen.

Immobilienerwerb ist für die meisten Menschen mit jahrelangem Verzicht verbunden, in der Hoffnung auf mehr Sicherheit und mehr finanziellen Spielraum im Alter. Die deutsche Regelung, die eine EU-Vorgabe übererfüllt, schränkt das Selbstbestimmungsrecht älterer Menschen über Gebühr ein. Sie gehört auf den Prüfstand.

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