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Martin Prem ist Redakteur im Ressort Wirtschaft des Münchner Merkur.  

Neuer Aufsichtsratsvorsitzender

Kommentar zum Neustart bei VW: Ein langer harter Weg

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Kann ein langjähriger Finanzvorstand Volkswagen als neuer Aufsichtsratsvorsitzender angemessen beaufsichtigen? Die Zweifel daran sind legitim. Der Kommentar von Merkur-Redakteur Martin Prem zum Neustart bei Volkswagen.

Wenn der Ex-Chef Martin Winterkorn Verantwortung für das Diesel-Abgas-Desaster übernehmen will, stellt sich auch die Frage, warum die Nummer zwei im Konzern hinter Winterkorn davon verschont bleibt. Andererseits: Hans Dieter Pötsch, der gestern zum Chefkontrolleur wurde, war immer der Mann für schwierige Fälle. Ohne ihn wäre VW ein Teil des Porsche-Reichs und nicht umgekehrt. Er kann dem neuen Chef, Matthias Müller, den Rücken freihalten, damit er und sein Team den Konzern umkrempeln können.

Auf Müller wartet eine Herkulesaufgabe. Die Firmenkultur in Wolfsburg steht vor einem ähnlichen Traditionsbruch wie es vor fast einem halben Jahrhundert der Wechsel vom Käfer zum Golf für die Modellpalette war. Ein Unternehmen mit legendärer Bürokratie muss effizienter und offener werden. Das wird ein langer harter Weg. Nicht wenige, die in der Pflege des bisherigen Systems ihre Aufgabe fanden, gehören zu den Verlierern. Viele werden um ihre Pfründe kämpfen.

Die Veränderung ist aber vor allem eine Chance. Trotz schwacher Renditezahlen der Kernmarke war VW von Audi und den anderen Töchtern fast an die Weltspitze der Branche gezogen worden. Der scheinbare Erfolg stand Reformbestrebungen bislang immer im Weg. Auch andere Autogiganten – wie Toyota oder General Motors – haben schwere Krisen durchlebt und sind aus ihnen gestärkt hervorgegangen. Womöglich steht VW in zehn bis 15 Jahren sogar besser da als heute. Die größte Krise in der Konzerngeschichte wird im Rückblick vielleicht als Wendepunkt verstanden – zum Besseren.

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