Teure Verfehlungen

Kommentar zum Rekord-Verlust der Deutschen Bank

München - Die Verluste der Deutschen Bank sind mittlerweile auf 6,7 Milliarden angeschwollen. Ein harter Einschnitt ist unausweichlich, findet unsere Autorin, wird aber die Falschen treffen.

Der neue Chef der Deutschen Bank macht reinen Tisch – er versucht es zumindest. Während sein geschasster Vorgänger Anshu Jain Anlegern und Öffentlichkeit weismachte, Deutschlands größtes Geldhaus habe das Schlimmste bereits hinter sich, schaufelt John Cryan nun weitere Milliarden in die Rücklagen für Prozessrisiken – was den Verlust der Bank auf 6,7 Milliarden Euro anschwellen lässt.

Und Risiken gibt es mehr als genug. Dabei geht es nicht nur um Altlasten aus Zeiten der Finanzkrise, durch die weitere Milliardenstrafen drohen. Es geht auch um den Verdacht auf unsaubere Geschäfte in Russland, Embargoverstöße und betrügerische Deals im Devisenhandel. Vorwürfe, die im Zusammenhang mit dieser Bank von Weltrang vor wenigen Jahren noch völlig ungeheuerlich gewesen wären – die heute aber kaum noch jemanden ernsthaft erschüttern. Genau das ist das wohl größte Problem: Der gewaltige Imageverlust, der einen Konzern, der nicht zuletzt vom Vertrauen seiner Kunden lebt, besonders schwer belastet.

Wenn es gelingen soll, die Verfehlungen der Vergangenheit aufzuarbeiten, ist ein harter Schnitt, wie ihn Cryan jetzt unternimmt, wohl unvermeidlich. Leider wird das nicht nur einige Topmanager und hochbezahlte Investmentbanker des Hauses treffen, die in aller Regel weich fallen. 9000 Menschen werden im Zuge der Neuaufstellung der Bank ihre Arbeitsplätze verlieren. Und das ist in einer Branche, die seit Jahren durch radikalen Stellenabbau geprägt ist, besonders bitter.

Rubriklistenbild: © dpa

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