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Münchner Merkur Redakteur Christian Deutschländer.

Kommentar

Kartellvorwürfe gegen Autobauer: Zorniger Übereifer gefährdet Jobs

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Der Kartell-Verdacht gegen Volkswagen, Audi, Porsche, BMW und Daimler wiegt schwer. Doch diese Unternehmen zählen hierzulande zu den wichtigsten Arbeitgebern. 

Abgasmanipulation, Fahrverbote und nun der Kartell-Verdacht: Deutschlands wichtigster Industriezweig steuert durch ein desaströses Jahr. Jetzt müssen Politik und Behörden extrem sorgfältig nach einer Balance suchen zwischen Härte in der Aufklärung und Vorsicht vor zornigem Übereifer, der Arbeitsplätze gefährdet. Fehlverhalten von Managern und Ingenieuren ist zu ahnden, ohne zehntausende Werksarbeiter zu bestrafen. Drastischer gesagt: Sich die wichtigsten Arbeitgeber selbst kaputtzuschießen, vielleicht noch mit dem ideologischen Überbau der Abkehr vom Verbrennungsmotor, während (Nachbar-)Länder ihre Unternehmen vor allerlei Unbill abschirmen, wäre schlicht dumm. Es wäre der Beginn einer schweren, hausgemachten Wirtschaftskrise.

Besonnenheit zählt in Wahlkämpfen kaum zur Kerntugend. Vielleicht hilft in dem Fall, dass die politische Verantwortung auf bunten Schultern ruht und Folgeschäden regional weit gestreut wären; nicht zuletzt ins grün regierte Daimler-Land, wo schon die Fahrverbots-Debatte ihren Anfang nahm. Es mag ins einfache Polit-Kalkül passen, den Bundesverkehrsminister zum Krisengesicht der Autoindustrie zu stempeln. Der einzige bliebe er indes nicht: Die Kartellbehörden unterstehen der Bundeswirtschaftsministerin. Und im VW-Aufsichtsrat, der zwingend längst über die Kartellvorwürfe informiert worden sein muss, sitzt Niedersachsens rot-grüne Landesregierung. Die darf bei der Landesbank-CSU mal nachfragen, was passiert, wenn man in Aufsichtsgremien pennt.

Folgen im Blick haben

Es geht nicht darum, Mitverantwortliche von Schuld freizusprechen, weder die den Strukturbruch zu lang vertrödelnde Industrie, noch die wegschauende Politik. Aber: Es ist wichtig, zu verhindern, dass in der Folge dieses Desaster-Jahres bundesweit nur noch Verlierer stehen.

Sie erreichen den Autor unter Christian.Deutschlaender@merkur.de

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