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Politik-Redakteur Martin Prem.

Lehrgeld

Kommentar zu Trennung von General Motors und Opel: Teure Fehler

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15 Jahre nach der rettenden Kurskorrektur geht es endlich wieder aufwärts mit Opel. Wenn sich General Motors nun von der Tochter trennt, macht das Unternehmen damit vielleicht den letzten in einer langen Reihe von Fehlern.

Es war am Ende Pech: Der Ausfall des russischen Marktes und die Brexit-Folgen hielten Opel auch 2016 in den roten Zahlen. Dabei hatte die Rüsselsheimer Tochter von General Motors bei den Kunden die Talsohle endlich durchschritten. Attraktive Modelle brachten sie in den letzten Jahren wieder ins Spiel um die Käufergunst.

Dass GM nun die Geduld verliert, ist vielleicht ein letzter teurer Fehler im Umgang mit Opel – aber nicht der schwerste. Das war vor 30 Jahren die Entscheidung, an der Qualität zu sparen. Darauf reagierten die treuen Kunden nicht spontan, aber nachtragend. 15 Jahre nach der lebensrettenden Kurskorrektur zurück zu Qualitätsprodukten geht es gerade mal wieder aufwärts. Die verspielten Marktanteile sind längst nicht zurückerobert. Alle GM-Anteilseigner mussten viele Milliarden Dollar an Lehrgeld zahlen – für Manager, denen Zahlen wichtig waren, die Produkte und die Erwartungen der Kunden aber gleichgültig.

Opel allein ist zu klein, um zu überleben. Peugeot und Citroën sind es auch. So ist ein Bündnis der drei Marken eine Chance, aber auch ein Wagnis. Nur durch mutige, aber auch teure Investitionen in Zukunftstechnologien kann das Markentrio in eine Größenordnung vorstoßen, die sein Überleben langfristig sichert. Ein Denken in Quartalsergebnissen wäre jetzt der falsche Weg. Wer zügig Synergien realisieren will, Standorte schließt und massiv Personal rauswirft, wird schnell auf die Größe zurückfallen, in der Massenhersteller von Automobilien wie Peugeot, Opel oder Citroën schlicht nicht überlebensfähig sind.

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