Machtübernahme bei Grammer gescheitert

Kommentar: Das Gezerre geht weiter

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Die Machtübernahme beim Autozulieferer Grammer ist gescheitert. Das Gezerre wird aber weitergehen. Ein Kommentar von Merkur-Redakteur Martin Prem.

Die Aktionärsdemokratie hat einmal funktioniert. Normalerweise kommen zu wenige Aktionäre auf Hauptversammlungen – oder lassen sich wenigstens vertreten –, um einen Großaktionär in die Schranken weisen zu können. Bei Grammer hat es diesmal – ausnahmsweise – geklappt. Es kamen genug, um die in der deutschen Automobilindustrie nicht gerade beliebte Investoren-Familie Hastor an der geplanten Machtübernahme bei dem Oberpfälzer Autozulieferer zu hindern.

Ein Grund zur Freude ist das allerdings nicht. Die angekündigten Anfechtungsklagen zeigen, dass die Hastors nicht bereit sind, ihre Niederlage hinzunehmen. Und mit ihrer Sperrminderheit kann die Familie alle wichtigen Entscheidungen blockieren. Das Gezerre geht weiter. Ob das Unternehmen einen anhaltenden Konflikt mit seinem größten Anteilseigner übersteht, ist mehr als fraglich.

Es läuft auf eine lange Durststrecke hinaus, während der auslaufende Verträge einfach anders vergeben werden – was Grammer zunächst Aufträge, dann Umsatz und am Ende die Existenz kosten könnte. Und der Fall Grammer muss kein Einzelfall bleiben. Die Autohersteller haben die schwächeren unter den Zulieferern jahrelang wie Vasallen behandelt, die alle Zumutungen einfach schlucken mussten. Es kann für die deutsche Automobilindustrie zur Existenzfrage werden, ob sie bereit ist, dieses ungute Verhältnis partnerschaftlich neu zu definieren.

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