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Wirtschaftsredakteur Martin Prem.

„Systemwechsel muss her“

Kommentar zur steigenden Abgabenlast der Mittelschicht

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München - Die Abgabenlast ist kein Problem, sondern die Einkommenshöhe, ab der dieser Prozentsatz eintritt. Der Facharbeiter zahlt dann nämlich kaum weniger als der Topmanager, meint Wirtschaftsredakteur Martin Prem. 

Wie hoch ist die Abgabenlast? Die Hälfte oder mehr, sagen die meisten spontan, wenn man sie fragt. Stimmt nicht ganz, wie eine Untersuchung des Instituts der Deutschen Wirtschaft besagt. Aber selbst Durchschnittsverdiener liegen – nimmt man Mehrwertsteuer, Einkommensteuer und Sozialabgaben zusammen – in der Gegend von 45 Prozent. Zuwenig Netto vom Brutto.

Doch die eigentliche Schieflage liegt nicht in der Höhe der Gesamtbelastung, sondern in der Einkommenshöhe, bei der sie eintritt. Schon deutlich unterhalb der Einkommensgrenzen für den Spitzensteuersatz steigen allein die gesetzlichen Abzüge von Arbeitnehmern über 40 Prozent und bleiben darüber relativ stabil. Facharbeiter zahlen in Prozent gerechnet kaum weniger als Topmanager.

Ein gesenkter Spitzensteuersatz hat Gutverdiener entlastet, das steuerfreie Existenzminimum hilft den Ärmeren. Nur die Mittelschicht ging bisher leer aus. Alle bisherigen Steuerreformen hatten eine Schwäche: Sie gaben durchschnittlichen Steuerzahlern nur einen Teil dessen zurück, was ihnen vorher durch die kalte Progression genommen wurde. Wir brauchen einen Systemwechsel, der dieses Grundproblem löst – hin zu einer Steuerformel, deren Eckwerte mit der Inflationsrate steigen.

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