Konen: Das bekannte Münchner Modehaus steht vor der Übernahme durch den Stuttgarter Branchenprimus Breuninger.
+
Konen: Das bekannte Münchner Modehaus steht vor der Übernahme durch den Stuttgarter Branchenprimus Breuninger.

Akquisition

Paukenschlag in der Münchner Innenstadt: Traditionshaus bekommt neue Eigentümer

  • Thomas Schmidtutz
    vonThomas Schmidtutz
    schließen

Das Münchner Modehaus Konen blickt auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück. Jetzt kommt das traditionsreiche Unternehmen in neue Hände.

München – Das Münchner Traditionsunternehmen Konen erhält neue Eigentümer. Das Modehaus, dessen Historie bis ins Jahr 1871 zurückreicht, geht an den Stuttgarter Branchenriesen Breuninger. Die entsprechenden Verträge zur Übernahme des Konen-Stammhauses in der Sendlinger Straße sowie der Zweigniederlassung Bram in Luxemburg seien am Donnerstag unterzeichnet worden, erklärte Breuninger-Chef Holger Blecker am Sonntag gegenüber Merkur.de. Die Arbeitsverhältnisse der insgesamt rund 700 Konen-Mitarbeiter würden fortgeführt, versicherte Blecker. „Wir brauchen so tolle Leute.“ (Verfolgen Sie unsere Wirtschaftsberichterstattung auf unserer LinkedIn-Unternehmensseite und diskutieren Sie mit.)

„München als Weltstadt sowie Luxemburg als attraktive internationale Destinationen waren schon lange Wunschstandorte für Breuninger“, sagte Blecker. Das Familienunternehmen Konen sei mit seiner „starken Marke, der tiefen lokalen Verankerung sowie der engen Kundenbeziehung eine perfekte Ergänzung unseres stationären Portfolios“.

Modehaus Konen: Breuninger hofft bis Ende Juni auf grünes Licht vom Kartellamt

Der Schritt stehe allerdings noch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch das Bundeskartellamt, betonte er. Man hoffe auf eine Entscheidung bis Ende Juni. Zum Kaufpreis äußerte sich Blecker am Sonntag nicht. Man habe Stillschweigen vereinbart, sagte der Breuninger-Chef. Auch zu den weiteren Plänen in München hielt sich Blecker unter Verweis auf die bevorstehende kartellrechtliche Prüfung zunächst bedeckt. Man könne sich aber „eine Integration beider Traditionsnamen unter der starken Dachmarke Breuninger gut vorstellen“, erklärte Blecker.

Holger Blecker: Der Chef des Stuttgarter Modehauses Breuninger will das Münchner Traditionsunternehmen Konen übernehmen.

Mit der Übernahme der beiden Konen-Standorte in der Sendlinger Straße und im luxemburgischen Bartringen verfügt Breuninger künftig über insgesamt 13 Kaufhäuser. Zur Gruppe mit ihren bislang rund 5500 Mitarbeitern gehören das Stammhaus in Stuttgart sowie weitere Läden unter anderem in Nürnberg, Karlsruhe, Freiburg, Leipzig, Erfurt sowie auf der Königsallee in Düsseldorf. Dazu kommt ein florierendes Internet-Geschäft. Neben dem Heimatmarkt in Deutschland haben die Stuttgarter in den vergangenen Jahren auch in Österreich und der Schweiz eigene Web-Dependancen eröffnet.

Modehaus Konen: Breuninger-Übernahme verschärft Wettbewerb in München

Durch den Einstieg der Schwaben bei Konen dürfte sich der Wettbewerb im Premium- und Luxussegment in der bayerischen Landeshauptstadt künftig weiter verschärfen. Neben dem bekannten Münchner Luxuskaufhaus Oberpollinger sowie Lodenfrey kämpfen auch der traditionsreiche Herrenausstatter Hirmer und Ludwig Beck um die betuchte Klientel.

Die Münchner Innenstadt gilt in der Branche als besonders lukrativer Standort. Nach einer aktuellen Schätzung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ist der Großraum München mit einer durchschnittlichen Pro-Kopf-Kaufkraft von gut 30.000 Euro die finanzstärkste Region in Deutschland (siehe Tabelle). Außerdem hofft die Branche mit dem absehbaren Ende der Corona-Pandemie auf die Rückkehr kauffreudiger Touristen aus dem Nahen Osten, China, Russland und den USA. Das wollen sich auch die Stuttgarter nicht entgehen lassen. „München ist auch wegen der Besucher hochattraktiv“, sagte Blecker.

Mit einem Umsatz von gut 860 Millionen Euro sowie einem Überschuss von 19,8 Millionen Euro im Vor-Corona-Jahr 2019 gilt Breuninger als Branchenschwergewicht. Allerdings mussten auch die Schwaben wegen der Corona-bedingten Schließungen einen Rückschlag hinnehmen. Man habe „im stationären Bereich sowohl im letzten Jahr als auch in diesem Jahr jeweils einen Umsatzverlust in dreistelliger Millionenhöhe“ zu verkraften, sagte Blecker. Auch das boomende Online-Geschäft habe dies nicht vollständig auffangen können.

Modehaus Konen: Corona-Pandemie setzt Münchner Traditionshaus zu

Das Münchner Traditionshaus Konen hatte zuletzt stark in den Ausbau seines Online-Shops sowie in seine beiden Häuser investiert. 2019 waren die Erlöse der Konen Bekleidungshaus GmbH & Co. KG um rund 3,5 Prozent auf knapp 92 Millionen Euro gesunken. Der Nettoverlust lag 2019 bei 1,82 Millionen Euro nach rund 731.000 Euro im Jahr zuvor. Für 2020 hatte Konen zunächst auf ein Umsatzplus sowie eine „leichte“ Ergebnis-Verbesserung gehofft, die Prognose jedoch wegen der Corona-Pandemie kassiert. Der „massive Umsatzverlust“ wegen der zwischenzeitlichen Schließungen dürfte 2020 zu „einem starken Umsatzrückgang und einem starken Rückgang des Ergebnisses“ führen, heißt es im Prognose-Bericht des Jahresabschlusses zum Geschäftsjahr 2019.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare