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Heinrich Traublinger, Präsident des Bayerischen Handwerkstages.

Konjunktur

Beste Stimmung bei Bayerns Handwerkern

München – Die Geschäftslage ist gut - oder zumindest befriedigend: Von der Baubranche angetrieben machen sich im bayerischen Handwerk Frühlingsgefühle breit.

„86 Prozent der Betriebe bewerteten ihre Geschäftslage in den ersten drei Monaten dieses Jahres als gut oder befriedigend“, resümierte der Präsident des Bayerischen Handwerkstages, Heinrich Traublinger, gestern über das erste Quartal 2014 bei der Vorstellung der Quartalszahlen in München. Die Kapazitäten der Betriebe im Freistaat seien zu 75 Prozent ausgelastet. Dies bedeute einen Anstieg um zwei Prozent im Vorjahresvergleich. Insgesamt hatten die Betriebe Reserve-Aufträge für 7,3 Wochen.

Auch mit den Umsätzen gehe es seit dem vergangenen Jahr aufwärts – nicht zuletzt auch aufgrund der guten Witterungsverhältnisse. „Nach ersten Schätzungen erwirtschafteten die bayerischen Handwerksunternehmen bis Ende März 2014 einen Umsatz von rund 19,5 Milliarden Euro“, rechnete Traublinger vor. Dies entspreche einem nominalen Zuwachs um fünf Prozent im Vorjahresvergleich.

Insgesamt herrscht ein gutes Investitionsklima, das laut Traublinger durch die niedrigen Zinsen geprägt wird. Fast ein Drittel aller Betriebe führte im ersten Quartal Investitionen durch.

Die weitgehend gute Stimmung im Handwerk kann nach Ansicht des Handwerks-Präsidenten eigentlich nur die Politik trüben. Die Initiative zur Abschaffung des steuerlichen Handwerker-Bonus etwa würde dem Handwerk vehement schaden. „Der Bonus bringt Sozialversicherungsbeiträge, Steuern und sichert Arbeitsplätze. Wenn das so falsch wäre, würde Österreich unserem Vorbild sicher nicht folgen und selbst ein solches Bonussystem einführen“, unterstrich Traublinger.

Große Sorge bereitet ihm auch die Rente mit 63: „Das ist aus unserer Sicht völlig kontraproduktiv. Wir brauchen jeden Mitarbeiter, um den Fachkräftemangel abzumildern. Dass dem Handwerk durch den früheren Renteneintritt massive Belastungen drohen, scheinen die Betriebe momentan zu verdrängen.“

Skeptisch blickt der Handwerkstag außerdem nach Brüssel. Man befürchtet, dass die EU Zugangsschranken für regulierte Berufe hinterfragen will. Damit könnte dem Meisterbrief die Grundlage entzogen werden. Dies hätte aus Traublingers Sicht gravierende Folgen: „Mehr Ein-Mann-Betriebe, aber kein einziger Arbeitsplatz mehr, weniger Lehrlinge und kaum noch Meisterprüfungen, weniger Qualität und Verbraucherschutz. Dabei brauche das Handwerk gerade junge, qualifizierte Arbeitskräfte. „Die Meisterpflicht ist der Garant für eine gute Ausbildung“, betonte Traublinger.

Rund 880 000 Menschen arbeiteten im Berichtsquartal im bayerischen Handwerk, 285 000 davon in oberbayerischen Betrieben. Dennoch konnten nicht einmal 60 Prozent aller Betriebe ihre offenen Stellen besetzen.

Einen kleinen Teil der Personallücke verspricht sich die Handwerkskammer durch das Kooperationsabkommen mit der südspanischen Stadt Córdoba schließen zu können, das Mitte April unterzeichnet wurde. „Im Handwerk kommt es nicht darauf an, wo jemand herkommt, sondern darauf, wo er hin will“, sagte Traublinger. Er ist überzeugt, dass der interkulturelle Austausch das Arbeitsklima bereichert. Traublinger glaubt, dass das Spanien-Projekt auch ein Impuls für andere Bereiche ist. „Dann flacht auch der Diskurs um das Einbrechen in unser Sozialsystem ab“, sos Traublinger. Bisher konnten 27 Spanierinnen und Spanier erfolgreich nach Oberbayern vermittelt werden. Acht weitere stehen vor dem Abschluss des Arbeitsvertrages und mindestens 50 spanische Fachkräfte sollen 2014 folgen.

Katharina Selle

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