Randolf Rodenstock Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft

Konjunktur-Delle unvermeidlich

München - Der bayerischen Wirtschaft steht eine konjunkturelle Abkühlung bevor - „das ist unvermeidlich“, sagte Randolf Rodenstock, Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) gestern in München.

Auf keinen Fall jedoch schlittere man in eine neue Rezession und es sei „unverantwortlich“ von manchen Akteuren, eine solche nun herbeireden zu wollen. „Abkühlung ja, Rezession nein“, so lautet Rodenstocks Prognose auf Basis der aktuellen Herbstumfrage der vbw.

Die Geschäftslage in den Mitgliedsbetrieben sei derzeit „recht gut“, sagte Rodenstock, sogar noch besser als im Frühjahr. Der errechnete „Lageindex Wachstum“ stieg um vier auf 176 Punkte. Auch der „Lageindex Beschäftigung“ kletterte um acht auf 156 Punkte. Um jeweils rund 30 Punkte gesunken sind hingegen die Prognosen für diese beiden Bereiche. Damit erreicht der Gesamtindex 142 Punkte, 14 Punkte weniger als der Rekordwert im Frühjahr, was aber immer noch ein hohes Niveau sei, meint Rodenstock. Schließlich habe es die bayerische Wirtschaft schneller als erwartet geschafft, wieder über dem Vorkrisenniveau zu liegen. Dennoch habe es über zwei Jahre gedauert, das wieder wettzumachen, was innerhalb weniger Monate weggebrochen war. „Letztendlich waren dies fast zweieinhalb verlorene Jahre“, sagte der vbw-Präsident.

Dass nun angesichts des Staatsschuldendebakels der Euroländer wieder eine ähnliche Wirtschafts- und Finanzkrise drohen könnte, davon gehe er zwar nicht aus. Doch auszuschließen sei es auch nicht. „Nicht nur ich habe weder Einblick noch den nötigen Durchblick, um hierzu eine Prognose abgeben zu können“, sagte Rodenstock. Das sei derzeit letztlich alles „Kaffeesatzleserei“.

Dennoch sei Vorsicht geboten, schließlich habe die letzte Krise gezeigt, dass die Lage extrem schnell kippen könne. Einer Stornierungswelle könnten dann auch die derzeit noch vollen Auftragsbücher der bayerischen Betriebe nichts entgegensetzen.

Schon seit längerem bemerke man eine Verlangsamung der Weltwirtschaft, das werde auch den Export bremsen. „Nach einem Plus von voraussichtlich neun Prozent in diesem Jahr, rechnen wir für 2012 nur noch mit einem Anstieg der bayerischen Ausfuhren um fünf Prozent“, sagte Rodenstock. Er ist sich jedoch sicher, dass der Arbeitsmarkt diese „konjunkturelle Delle relativ unbeschadet überstehen“ werde. Wenngleich die Arbeitslosigkeit nicht mehr in dem Maße abgebaut werden könne wie bisher.

Für das laufende Jahr geht die vbw von einem Wirtschaftswachstum mit einer Drei vor dem Komma aus - im kommenden Jahr könnte der Anstieg des Bruttoinlandsprodukts bei „nur noch etwas über einem Prozent“ liegen, sagte vbw-Präsident Rodenstock.

Von Stefanie Backs

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