Konjunktur: Höhepunkt überschritten?

Wiesbaden - Die Aufwärtsentwicklung der deutschen Wirtschaft hat sich im dritten Quartal verstärkt: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg gegenüber dem zweiten Vierteljahr um 0,7 Prozent, nach 0,5 Prozent beziehungsweise 0,3 Prozent in den ersten beiden Vierteljahren, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Analysten sehen damit den Höhepunkt für dieses Jahr überschritten. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos dagegen sieht die deutsche Wirtschaft auf einem robusten Wachstumskurs.

Das BIP misst den Wert der im Inland erwirtschafteten Leistung. Die Wachstumsimpulse kamen den Angaben zufolge aus dem Inland. So seien die Bauinvestitionen wieder gestiegen, auch in Ausrüstungen sei mehr investiert worden. Gestützt wurde das Wirtschaftswachstum demnach zudem von einer moderaten Zunahme der privaten Konsumausgaben.

Vom Export seien aber im Unterschied zum zweiten Quartal keine Wachstumsimpulse ausgegangen, was vor allem auf einen deutlichen Anstieg der Importe zurückzuführen sei. Gegenüber dem gleichen Quartal des Vorjahres nahm es von Juli bis September preisbereinigt um 2,4 Prozent und kalenderbereinigt um 2,5 Prozent zu, wie das Bundesamt mitteilte.

Glos erklärte: "Das Wachstum hat wieder Fahrt aufgenommen." Besonders erfreulich sei, dass sich der starke Beschäftigungsaufbau fortsetze. Im dritten Quartal seien im Vergleich zum Vorjahr rund 630 000 Menschen mehr erwerbstätig gewesen.

Nach Einschätzung des Industrie- und Handelskammertags (DIHK) beweist der Aufschwung eine "überraschend starke Widerstandskraft" gegen den starken Euro und den hohen Ölpreis. Mit dem ordentlichen Wachstum im dritten Quartal "hat die Konjunktur nochmals Biss bewiesen", erklärte DIHK-Chefvolkswirt Axel Nitschke.

Weniger zuversichtlich äußerten sich Analysten großer Banken. Sie sehen das dritte Quartal bereits als Gipfel, nach dem es bergab gehen dürfte. "Im kommenden Jahr wird die Wirtschaft deutlich langsamer wachsen", prognostizierten die Volkswirte der Commerzbank. Die Bayerische Landesbank erwartet ebenfalls eine konjunkturelle Abkühlung. Zwar könnten Sondereffekte wegen der Ende 2007 auslaufenden günstigen Abschreibungsregelungen nach Einschätzung der Münchner Volkswirte zu Vorzieheffekten führen. "Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese dann zu Beginn des nächsten Jahres fehlen werden."

Die NordLB sagte für das vierte Quartal ein deutlich schwächeres Wachstum voraus, da die konjunkturellen Frühindikatoren nachgegeben hätten. Es sei "etwas beunruhigend", dass der private Konsum auch im Sommer nicht an Schwung gewonnen habe.

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