Konjunktur - Kaum Sorgen wegen Dollar

München - Allen Unkenrufen zum Trotz hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft im November überraschend aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg um 0,3 auf 104,2 Punkte. Die Unternehmen beurteilten ihre Aussichten im nächsten halben Jahr zwar etwas skeptischer, ihre aktuelle Geschäftslage aber deutlich besser als im Oktober.

Wachstumsmotor bleibt die Industrie. Die Exporte zogen trotz des schwachen Dollars sogar an. Auch nach einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft sind die Unternehmen in Deutschland von einem anhaltenden Aufschwung überzeugt.

Ifo-Index

"Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Konjunktur auf hohem Niveau nur allmählich abkühlt", erklärte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn in München. "Die Stimmung ist gut, auch wenn die Unternehmen die Finanzkrise, den hohen Euro und den Ölpreis im Hinterkopf haben", sagte der Konjunkturexperte des Instituts, Hans Russ. "Entscheidend wird sein, ob wir in den USA eine Rezession bekommen." Das sei nicht unwahrscheinlich.

"Solange die Firmen bereit sind, mehr

Geld in neue Maschinen zu stecken, steht

kein konjunktureller Einbruch ins Haus."

MICHAEL HÜTHER

Grundlegende Daten seien nicht schlecht, aber die Immobilienblase sei ein Gefahrenherd. Wegen der nachlassenden Weltkonjunktur rechnet das Ifo-Institut mit einem schwächeren deutschen Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr. Der Export werde sinken, die Inlandsnachfrage steigen. "Die Unternehmen befürchten aber keinen Abschwung", betonte der Ifo-Volkswirt. Im November sank der Teilindex für die Geschäftserwartungen im kommenden halben Jahr leicht von 98,6 auf 98,3 Punkte. Das ist zwar der niedrigste Wert seit zwei Jahren, aber noch im langjährigen Durchschnitt. Die aktuelle Geschäftslage wurde von den Unternehmen deutlich besser beurteilt als noch im Oktober: Dieser Teilindex stieg von 109,6 auf 110,4 Punkte. Obwohl die meisten Beobachter wegen Finanzmarktkrise, Ölpreis und Dollarkurs den siebten Rückgang des Ifo-Gesamtindexes in Folge erwartet hatten, legte er um 0,3 Punkte zu.

Die Industrie stufte nicht nur ihre gegenwärtige Geschäftslage wieder deutlich positiver ein als im Oktober. Auch die Erwartungen waren unverändert leicht positiv. Beim Export verstärkte sich der Optimismus sogar. "Die Personalpläne zeigen wieder vermehrt nach oben", teilte das Ifo-Institut mit. Viel wichtiger als der Dollarkurs sei die Konjunktur in den Abnehmerländern, erklärte Russ.

Über 80 Prozent der deutschen Exporte würden heute in Euro abgerechnet. Auch der Ölpreis sei für die Industrie nicht mehr so wichtig. Für ein Produkt brauche sie heute 60 Prozent weniger Öl als noch vor 30 Jahren. Außerdem "kaufen die Ölexportländer ihre Investitionsgüter bei uns", erklärte Russ.

IW-Studie

Auch laut einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) ist der starke Euro für die meisten Unternehmen derzeit kein großes Konjunkturrisiko. Die Aufwertung des Euro zum US-Dollar macht nur 15 Prozent der Firmen Sorgen, geht aus einer Befragung von 2000 Unternehmen hervor.

Rund 85 Prozent der Firmen gaben an, der starke Euro habe für sie kaum oder überhaupt keine Bedeutung. Insgesamt sei 2008 kein Konjunktureinbruch zu erwarten, sagte IW-Chef Michael Hüther. Die Grundstimmung bleibe positiv: Rund 45 Prozent der Firmen erwarten einen Anstieg der Produktion, nur 12 Prozent einen Rückgang. Für fast jeden siebten Betrieb sind die Rohstoffpreise das größte Risiko für die Entwicklung. Es folgen Energiepreise, Arbeitskosten, Fachkräftemangel und die Wirtschaftspolitik.

Gut 40 Prozent wollen im nächsten Jahr mehr investieren, rund ein Drittel auch neues Personal einstellen. "Solange die Firmen bereit sind, mehr Geld in neue Maschinen und Fertigungsanlagen zu stecken, steht kein konjunktureller Einbruch ins Haus", sagte Hüther.

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