Konjunktur trübt Aussichten für Rentenpapiere - doch nicht für alle

- München - 2003 war ein gutes Jahr für Rentenanleger. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel im ersten Quartal auf einen historischen Tiefstand von 3,5 %, Besitzer von Rentenpapieren konnten sich über Kursgewinne freuen. Das dürfte 2004 kaum der Fall sein.

<P>"Es wird ein anspruchsvolles Jahr für Besitzer von festverzinslichen Wertpapieren", stellt Stephan Jugenheimer, Mitglied der Geschäftsleitung der Deutschen Bank Region Süd, fest. "2004 ist mit einem synchronen Aufschwung in den USA und in Asien zu rechnen." Mit dieser Einschätzung ist er nicht allein. Fast alle Volkswirte erwarten eine Festigung des Aufschwungs, der sich nun auch in handfesten ökonomischen Daten zeigt.</P><P>Im dritten Quartal lag das US-Wirtschaftswachstum bei 8,2 %. Auch in Deutschland gibt es Signale, die auf einen Aufschwung hindeuten. Industrieproduktion und Auftragseingang zeigten im Herbst einen deutlichen Anstieg. Kein Wunder also, dass der Optimismus groß ist. Das Wachstum in den USA wird nach Berechnung der Deutschen Bank bei 4,5 % liegen, in Euroland bei 2 %, in Japan bei 2 - 2,5 % und in Asien gar bei 6 - 8 %. Die Gefahr für ein Abknicken des Aufschwungs ist nach Jugenheimers Ansicht gering. "Der Anstieg der Inflation wird im ersten Halbjahr des kommenden Jahres kein Thema sein."<BR><BR>Stark steigende Rohstoffpreise, die die konjunkturelle Entwicklung beeinträchtigen würden, hält Jugenheimer zunächst für wenig wahrscheinlich. Mit der Anhebung der Leitzinsen sei im zweiten Halbjahr zu rechnen.<BR><BR>Anders sieht es am langen Ende, also bei Anleihen mit langen Restlaufzeiten, aus. Dort schlagen sich Inflationserwartungen frühzeitig nieder. Deshalb geht Stephan Jugenheimer davon aus, dass die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen bis Ende 2004 von derzeit etwa 4,4 % auf rund fünf Prozent klettern werden. Allerdings, warnt er, "kann der Markt zumindest zeitweise auch über die 5 % steigen." Anlegern empfiehlt er deshalb auf Anleihen mit kürzeren Laufzeiten, möglichst zwei- bis dreijährige Papiere, zu setzen. Deren Kurse reagieren weniger stark als lang laufende Rentenpapiere. Interessant dürften auch Unternehmensanleihen sein. In Zeiten gut laufender Konjunktur beginnen viele Unternehmen, höhere Gewinne und einen positiven oder höheren Cash flow zu erwirtschaften. Das stärkt die finanzielle Situation, Schulden können abgebaut werden. Dadurch verbessere sich die Bonität der Emittenten aus dem Unternehmenssektor, so Jugenheimer. Das schlägt sich in sinkenden Renditen und steigenden Kursen nieder.<BR><BR>"Corporate Bonds eignen sich vor allem als Beimischung für Rentendepots", so der Rentenexperte. Er rät, Bonds von Telekommunikationsfirmen und Versorgern zu favorisieren. Doch sollten Anleger auf die Bonitätseinstufung der Anleihen achten. Anleihen von Emittenten, bei denen die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls sehr hoch ist, werden als Junk-Bonds oder Müll-Anleihen bezeichnet. Von diesen Papieren rät Jugenheimer ab.<BR><BR>Eine attraktive Möglichkeit, um in dieser für Rentenanleger schweren Zeit, sehenswerte Renditen zu erzielen, sind inflationsindexierte Anleihen. Diese haben zwar einen vergleichsweise niedrigen Kupon, Anleger erhalten aber einen Ausgleich in Höhe der Inflationsrate. Je höher die Inflation, desto höher ist die Verzinsung. "Da in der zweiten Jahreshälfte 2004, spätestens in 2005 mit einem Ansteigen der Inflation gerechnet werden muss, sind inflationsindexierte Anleihen derzeit eine attraktive Alternative zu normalen Bundesanleihen", so Jugenheimer. Trotz eines schwierigen Jahres, haben Anleger so die Möglichkeit mit festverzinslichen Wertpapieren auch in 2004 attraktive Renditen zu erzielen.<BR><BR><BR></P>

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