Die Konjunktur-Lok rollt wieder: Bau erwartet stabilen Aufschwung

- München - Nach einem Jahrzehnt des Niedergangs kommt die deutsche Bauindustrie wieder auf die Beine. Angeschoben von der rundlaufenden Konjunktur erwartet die Branche heuer den ersten Umsatzzuwachs seit der Jahrtausendwende. Das Ende des anhaltenden Stellenabbaus wird aber erst für das kommende Jahr erwartet.

Das Baugewerbe hat schon bessere Zeiten gesehen. Zuletzt Anfang der 90er-Jahre als die Wiedervereinigung ein prächtiges, aber nur kurzes Konjunkturfeuerwerk zündete. Damals wurden von Thüringen bis Mecklenburg Häuser saniert und Autobahnen geteert -bis sich herausstellte, dass der Zusammenschluss von West und Ost weit teurer kommt als gedacht und Staat und Bürgern das Geld ausging.

Es folgte ein beispielloser Abschwung: Immer weniger Aufträge gingen bei den Firmen ein, unterbrochen nur von einer Spitze im Jahr 2000. Die Hälfte der Bauarbeiter, rund 700 000, verloren deswegen seit 1994 ihren Job. Doch nun ist die Talsohle durchschritten, die frühere als Konjunkturlokomotive bezeichnete Branche nimmt wieder Fahrt auf: Gingen die Umsätze im vergangenen Jahr allein in Bayern noch um über sechs Prozent zurück, zeichnet sich für 2006 ein deutlicher Zuwachs ab. Von Januar bis Ende Juli nahmen die Erlöse bundesweit um 2,1 Prozent auf 38,7 Milliarden Euro zu; im Freistaat betrug das Plus sogar fast sechs Prozent.

"Die Bauwirtschaft hat die Wende geschafft", sagt der Präsident des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, Hans-Peter Keitel. Für das Gesamtjahr rechnet er mit einem Umsatzzuwachs von rund zwei Prozent. Träger des Aufschwungs ist nach Keitels Worten der Wirtschaftsbau mit einem Umsatzplus von voraussichtlich 3,5 Prozent im Jahr 2006. Aber auch Wohnungsbau und öffentlicher Bau seien von der konjunkturellen Belebung betroffen. Heuer erwarte die Bauindustrie für diese Sparten ein Umsatzplus von jeweils einem Prozent. Auch bei den Bauinvestitionen sei im ersten Halbjahr ein "satter Zuwachs" zu verzeichnen.

Keitel: "Wir interpretieren es klar so, dass wir die Talsohle durchschritten haben." Das reicht allerdings noch nicht, den immer noch grassierenden Jobabbau zu stoppen. Der wird bis Ende des Jahres -trotz Aufschwung -noch einmal 20 000 Arbeitsplätze kosten, schätzt Keitel. Dann hätte die Branche noch rund 690 000 Beschäftigte. Weniger sollen es aber nicht mehr werden, da die Branche auch für das kommende Jahr positiv gestimmt ist. Bundesweit wird mit einem Wachstum von einem Prozent gerechnet; in Bayern könnte es auch etwas mehr werden. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer zum 1. Januar wird diesen Boom nicht bremsen: Größere Bauaufträge werden nur zwischen Unternehmen abgewickelt, die die Mehrwertsteuer nicht selber begleichen müssen, sondern sie an den Endkunden durchreichen.

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