Konjunktursorgen lassen Zinsen fallen

- München - Gesunkene Kunjunkturerwartungen machen Aktien nicht gerade attraktiver. Zahlreiche Anleger weichen mit ihrem Geld in den - als sicheren Hafen geltenden - Rentenmarkt aus. Die entsprechenden Indizes steigen zum Teil auf langjährige Rekordstände. Ist die Entwicklung begründet oder baut sich eine neue Blase auf? Experten sind sich nicht ganz einig.

<P class=MsoNormal>Die Renditen von Staatsanleihen (sie verhalten sich wegen der festgezurrten Zinsen gegenläufig zu den Kursen von Rentenpapieren) gehen deutlich zurück. So ist die Rendite von Bundesanleihen mit zehn Jahren Restlaufzeit am Dienstag auf das Rekordtief von 3,43 Prozent gefallen. Die Verzinsung liegt zurzeit kaum mehr unter den durchschnittlichen Dividendenrenditen von Aktien.</P><P class=MsoNormal>Das gilt allgemein eher als ein Zeichen für die Unterbewertung von Unternehmensanteilen. Denn normalerweise wird von börsennotierten Unternehmen regelmäßig nur ein Teil des Gewinns ausgeschüttet; der Rest soll zur Steigerung des Unternehmenswerts und damit zu steigenden Kursen beitragen. Kursphantasie bei Aktien gegen Sicherheit bei Anleihen: Denn bei diesen gibt es zusätzlich zu den bereits ausgezahlten Zinsen bei Laufzeitende (sieht man von einer Pleite ab) das eingesetzte Kapital zurück - aber nicht mehr.</P><P class=MsoNormal>Doch ist für Dagmar Alpen vom Bankhaus Sal. Oppenheim das Ausmaß des Anstiegs der Anleihekurse und damit das gesunkene Zinsniveau fundamental nicht gerechtfertigt. "Die Märkte spielen eine Geschichte", sagt sie. Mit anderen Worten: Sie nehmen mehr als nur die derzeit vorhergesagte Abschwächung des konjunkturellen Wachstums vorweg. Demnach schießen die Rentenkurse wohl über das Ziel hinaus.</P><P class=MsoNormal>Auch wenn die Weltwirtschaft nicht mehr so wachsen wird wie im Vorjahr, spricht niemand von einem Rückgang, der Rentenkurse begründen könnte, die höher liegen als in der Rezession 2002. Dies spricht, so Dagmar Alpen, für eine Übertreibung. </P><P class=MsoNormal>Doch ist auch ein andere Interpretation möglich: Alexander Rauch von der Bayerischen Landesbank bestätigt "ein gewisses Niveauproblem", betont aber, dass die Entwicklung den allgemein gesunkenen Konjunkturerwartungen entspricht.</P><P class=MsoNormal>Auch für das hohe Niveau an den Anleihemärkten bietet er eine Erklärung. So spricht er von einem "erhöhten Altersvorsorgesparen", das sich zugunsten von Anleihen auswirkt. Überdies seien auch zahlreiche Lebensversicherer in Europa gezwungen, "auf Sicherheit zu gehen", um Auszahlungsverpflichtungen nachkommen zu können. Sie müssen daher in Anleihen investieren. </P><P class=MsoNormal>"Dabei nehmen sie alles, was über vier Prozent bringt", so Rauch. Bei Anleihen mit kurzer Laufzeit sei das nicht zu bekommen. Dies erklärt dann auch das besonders stark gesunkene Zinsniveau am langen Ende.</P><P class=MsoNormal>Doch auch in anderer Hinsicht verläuft die Kursentwicklung an den Anleihemärkten nicht gleichmäßig: "Staatsanleihen und Corporate Bonds (Unternehmensanleihen) laufen auseinander", sagt die Sal. Oppenheim-Expertin Dagmar Alpen. Während Staatsanleihen, an denen sich zahlreiche der einschlägigen Indizes orientieren, deutlich steigen, verloren Unternehmensanleihen in jüngster Zeit eher. Das bedeutet: Das Vertrauen der Anleger, dass Unternehmen das ihnen anvertraute Geld tatsächlich zurückzahlen können, schwindet.</P><P class=MsoNormal>Da Staatsanleihen aber als der Maßstab für größtmögliche Sicherheit gelten, verlagern die eher vorsichtigen Anleger ihr Geld nun bevorzugt in diese Richtung. </P><P class=MsoNormal>Auch für die Umschichtung in Staatsanleihen sieht Alexander Rauch gute Gründe. "Probleme bei den Autoherstellern wie General Motors" nennt er als Beispiel, die das Vertrauen in die Bonität einzelner Unternehmen deutlich sinken lassen.</P>

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