Konjunkturtal oder Wachstumsdelle?

- Wiesbaden - Kaum ist der Aufschwung da, schon ist er wieder weg. Die deutsche Wirtschaft ist zum Jahresende 2004 wegen der schwachen Binnennachfrage zum ersten Mal seit eineinhalb Jahren wieder geschrumpft. Mit minus 0,2 Prozent im vierten Quartal schlitterte die Wirtschaft in ein Konjunkturtal.

<P>Experten sehen darin nur eine kurzlebige Wachstumsdelle. "Wir sind in einem Zwischental und holen jetzt Luft für den Aufschwung im zweiten Halbjahr 2005", sagt der Chefvolkswirt der Deka-Bank, Ulrich Kater. Eine Rezession sei nicht zu befürchten.<BR><BR>Nach dem schwachen Jahresende hat sich die Ausgangslage für 2005 allerdings verschlechtert. Die ersten Volkswirte senkten bereits ihre Wachstumsprognosen für 2005 auf 0,8 Prozent. Dagegen bleibt die Bundesregierung optimistisch bei 1,6 Prozent Plus - das wäre genauso viel wie 2004. Auch nach den jüngsten Daten des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) stabilisiert sich die Hoffnung auf einen anhaltenden konjunkturellen Aufschwung in Deutschland. Nach der monatlichen ZEW-Umfrage ist der Index der Konjunkturerwartungen im Februar von 26,9 Punkten im Vormonat auf 35,9 Punkte gestiegen. Grund für den zweiten deutlichen Anstieg in Folge sei vor allem die starke Nachfrage nach Investitionsgütern aus dem Inland gewesen.<BR>Alles steht und fällt nun mit der Binnenkonjunktur. Seit vier Jahren macht die Konsumzurückhaltung der Wirtschaft bereits zu schaffen - zwei Drittel der Wirtschaftsleistung entfallen auf den Verbrauch der privaten Haushalte. Lohneinbußen, Angst vor Jobverlust sowie neue Steuern und Abgaben verunsicherten die Bürger 2004, und viele Menschen hatten weniger Geld im Portemonnaie.<BR><BR>"In der zweiten Jahreshälfte wird die Hartz-IV-Reform greifen und die Arbeitslosigkeit zurückgehen", sagt Andreas Scheuerle von der Deka-Bank. "Zusammen genommen mit dem enormen Nachholbedarf bei den Konsumenten wird das die Konjunktur anstoßen." Dafür spricht auch, dass die Inflation sich in den kommenden Monaten verlangsamen dürfte, was den Verbrauchern real mehr im Portemonnaie ließe.<BR><BR>"Auch die Unternehmen werden mehr investieren. Sie müssen neue Maschinen kaufen, um wettbewerbsfähig zu bleiben", schreibt die Deutsche Bank, die Anzeichen für einen etwas robusteren Aufschwung sieht.</P>

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