Unwetterwarnung für München und das Umland 

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Das Kehrmonopol stammt aus dem Mittelalter. Künftig können sich die Kunden ihren Schornsteinfeger selbst aussuchen.

Schornsteinfeger-Monopol

Konkurrenz für den Kaminkehrer

München - Mehr Wettbewerb auf deutschen Dächern: Zum 1. Januar 2013 fällt das Schornsteinfeger-Monopol. Die Kunden haben künftig freie Wahl, aber auch mehr Verantwortung. Was es zu beachten gilt – ein Überblick.

1380 Kehrbezirke, 1380 Bezirkskehrmeister und 1380 Kaminkehrer-Betriebe gibt es in Bayern. 1380 – die Zahl ist immer die gleiche, denn Schornsteinfeger haben in Deutschland ein Monopol. In jedem Bezirk darf nur ein Bezirkskehrmeister die Schornsteine kehren. Konkurrenz? Fehlanzeige. Doch das soll sich bald ändern.

Um den Wettbewerb anzukurbeln, fällt das Schornsteinfegermonopol zum 1. Januar 2013. Dann können sich Kunden selbst ihren Schornsteinfeger aussuchen. Bei 1380 Kehrbezirken bleibt es allerdings – und auch bei 1380 Bezirkskehrmeistern, die weiterhin sogenannte hoheitliche Aufgaben wahrnehmen. Die Zahl der Betriebe dürfte sich allerdings erhöhen. Freie Schornsteinfeger können den alteingesessenen die Dächer streitig machen.

Die Reform des Schornsteinfegerhandwerks wurde bereits 2009 initiiert. Brüssel hatte Berlin dazu gedrängt. Beanstandet wurde, dass die Ausübung des Handwerks in Deutschland auf einen Schornsteinfeger pro Bezirk beschränkt ist, der außerhalb seines Kehrbezirkes nicht tätig sein darf. Laut EU-Kommission widerspricht das der Dienstleistungsfreiheit.

Ursprung des Kehrmonopols

Seinen Ursprung hat das Kehrmonopol im 16. und 17. Jahrhundert. Nachdem in mehreren Städten verheerende Feuer gewütet hatten, entstanden die ersten Feuer- und Brandverordnungen. Darin wurde das regelmäßige Kehren des Kamins vorgeschrieben. Während des Dritten Reichs wurde 1935 die Einrichtung von Kehrbezirken in ganz Deutschland angeordnet und ein einheitliches Schornsteinfegerrecht geschaffen. Das Kehrmonopol war geboren.

Mittlerweile wurde das Schornsteinfeger-Handwerksgesetz (SchfHwG) aufgeweicht. Seit 2009 dürfen Bezirksschornsteinfeger auch Nebenarbeiten ausführen. Je nach Qualifikation dürfen sie unter anderem Heizungen, Feuerstätten und Rauchmelder verkaufen und einbauen oder Energieberatung anbieten. „Das Angebot wird allerdings sehr wenig angenommen. Die Konkurrenz ist groß“, sagt Oswald Wilhelm, Landesinnungsmeister des Landesinnungsverbands des Bayerischen Kaminkehrerhandwerks. Der Mann in schwarzer Kluft und Zylinder ist Bezirkskaminkehrermeister im Kehrbezirk Dietmannsried im Oberallgäu.

Ende 2012 tritt das neue Gesetz in Kraft. Dürfen bereits jetzt Schonsteinfeger aus dem EU-Ausland prüfen, messen und kehren, ist zum Jahreswechsel der Wettbewerb auch unter deutschen Kaminkehrern eröffnet. Auch Heizungsbauer mit Zusatzqualifikation können künftig in Blaumann als Schornsteinfeger arbeiten. Jeder Kehrbezirk wird ab 2013 alle sieben Jahre europaweit neu ausgeschrieben.

Wahlfreiheit nicht für alle Leistungen

„Die Kunden haben künftig die Möglichkeit, sich einen Schornsteinfeger für 80 Prozent der Tätigkeiten auszusuchen“, erklärt Wilhelm. Sogenannte staatliche Aufgaben im Sinne der Brandsicherheit übernimmt weiterhin der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger in seinem Kehrbezirk. Dazu zählen die Feuerstättenschau einschließlich der Prüfung der Betriebs- und Brandsicherheit der Anlagen, die Ausstellung des Feuerstättenbescheids, die Abnahme von neuen Kaminen und Anlagen sowie die Kontrolle des Kehrbuches.

Alle dreieinhalb Jahre (bisher fünf) kommt der Bezirksschornsteinfeger zur Feuerstättenschau. Dabei werden alle Feuerungsanlagen (Feuerstätten und Abgasanlagen) begutachtet. Nach der Feuerstättenschau erhält der Hausbesitzer einen Bescheid. Darin steht, welche Reinigungs-, Überprüfungs- und Messarbeiten an den einzelnen Feuerungsanlagen künftig durchgeführt werden müssen. Der Bezirksschornsteinfeger vermerkt außerdem, wann die Arbeiten erledigt werden müssen. Nun liegt es am Hausbesitzer, sich darum zu kümmern, dass alle Fristen eingehalten werden.

„Der Kunde hat zwei Möglichkeiten“, so Wilhelm. Wer zufrieden mit seinem bisherigen Bezirkskehrmeister ist, kann alles beim Alten belassen. Allerdings müssen Kunden, auch wenn sie den Kaminkehrer nicht wechseln, einen Vertrag mit ihrem Schornsteinfeger abschließen. „Außerdem muss man den Preis festlegen“, sagt Wilhelm.

Wer unzufrieden ist, kann sich einen anderen Kaminkehrer suchen. Dabei sollte man darauf achten, dass es sich um einen Schornsteinfeger mit Meisterbrief handelt, der einen zugelassenen Betrieb in Deutschland führt. „Schornsteinfeger ist ein Sicherheitsberuf, da sind Meistertitel und Betrieb Pflicht.“ Auskunft über zugelassene Betriebe gibt die sogenannte Bafa-Liste – ein Register des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. Außerdem kann man sich über bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger und Innungsfachbetriebe unter www.schornsteinfeger.de informieren.

Gebühren und Preise

Für hoheitliche Aufgaben, die der Bezirksschornsteinfeger durchführt, gilt weiterhin die Gebührenordnung der Bundeskehrordnung. Wie bisher wird für die Feuerstättenschau ein fester Betrag fällig – je nach Anzahl und Umfang der Feuerstätten. Für ein Einfamilienhaus mit drei Feuerstätten bezahlt der Hausbesitzer beispielsweise 25 bis 30 Euro. Dazu kommt eine Gebühr für den Feuerstättenbescheid – noch mal rund 20 Euro. Alle anderen Kosten werden künftig nicht mehr über Gebühren geregelt. Der Preis ist Verhandlungssache.

Verantwortung der Hausbesitzer

Mit der Gesetzesänderung wurde die Verantwortung für die Durchführung der Kaminkehrerarbeiten auf den Eigentümer übertragen. Egal wer misst, prüft und kehrt – alles muss dokumentiert werden. Wer sich für einen freien Kaminkehrer entscheidet, muss dafür sorgen, dass dieser alle Arbeiten in einem Formblatt vermerkt. Dieses Formblatt muss entweder der freie Kaminkehrer oder der Hausbesitzer dem zuständigen Bezirksschornsteinfeger zukommen lassen. Er ist für die Kontrolle zuständig.

Laut Landesinnungsmeister Wilhelm gilt dabei eine Frist von 14 Tagen. Hat der Bezirksschornsteinfeger dann das Formblatt nicht im Briefkasten, meldet er den Verzug der zuständigen Behörde, die dann den Hausbesitzer anschreibt. „Dadurch entstehen dem Kunden zusätzliche Kosten“, sagt Wilhelm. Wird das Formblatt nicht nachgereicht, geht die Behörde davon aus, dass die Arbeiten nicht ordnungsgemäß ausgeführt wurden. Der Bezirkskehrmeister rückt an, um das nachzuholen – es droht ein Bußgeld von bis zu 5000 Euro.

„Dasselbe gilt übrigens, wenn Hauseigentümer vergessen, sich um einen Kaminkehrer zu kümmern“, sagt Wilhelm. So ein Versäumnis kann fatale Folgen haben. „In der Zeit, in der nicht gekehrt wird, gilt kein Versicherungsschutz“, warnt Wilhelm. Im Fall eines Brandes müsse der Eigentümer alle Kosten selbst tragen.

Manuela Dollinger

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