Konkurrenz im Nahverkehr wächst

- München - Die Deutsche Bahn rechnet in den nächsten Jahren mit deutlichen Marktanteil-Verlusten beim Nahverkehr. Aufgrund zunehmender Ausschreibungen werde die derzeitige Quote von 89 Prozent nicht zu halten sein, sagte Personenverkehr-Vorstand Karl-Friedrich Rausch bei einem Besuch in München. "Ein Marktanteil zwischen 70 und 80 Prozent ist realistisch, darum werden wir kämpfen."

Ohne Wehmut, nüchtern und sachlich analysiert Rausch die Lage der Dinge. Bis 2018 werden vermutlich alle Nahverkehrs-Strecken in Deutschland ausgeschrieben, die Konkurrenz drängt auf den Markt. Allein in Bayern stehen in den nächsten Monaten mehrere Entscheidungen wie etwa rund um Nürnberg an. "Wir wollen zumindest Marktführer bleiben", sagte Rausch. Kleiner Trost: Trotz bereits sinkender Betriebsleistung ist die Zahl der Fahrgäste gestiegen - die Züge sind im Nahverkehr besser ausgelastet.Im Fernverkehr dagegen tun sich andere Unternehmen schwer, dort besitzt die DB 99 Prozent Marktanteil. Die Konkurrenz ist eher in der Luft zu finden. Die Billigflieger setzen der Bahn arg zu, weshalb sich Rausch noch immer über den Lidl-Coup mit den Billig-Tickets freut: "Da haben wir neue Kundengruppen gewinnen können." Befragungen hätten ergeben, dass über 50 Prozent dieser Gäste ansonsten nicht die Bahn benutzt hätten. "Wir hoffen, diese Kunden fahren künftig wieder mit uns. Das sind Menschen, die wir sonst gar nicht erreichen." Dass die eine Million Fahrscheine schon nach einer Stunde weg waren und es darauf Kritik von Verbraucherschützern hagelte, ficht Rausch nicht an: "Da ist ein Hype entstanden. Wir hätten ja unserer Jahresbudget an Karten herausgeben müssen, um alle Wünsche zu befriedigen." Weil man die Kundenströme steuern wolle, werde die Aktion auch einmalig bleiben. Dafür sind weitere Billig-Tickets in ausgewählte Metropolen geplant. Ab August etwa gibt es neu Verbindungen von München nach Budapest oder Straßburg für 29 Euro.Wie diese Tickets und allgemein Fahrscheine an den Kunden gebracht werden, darüber gibt es immer wieder Diskussionen. Proteste über den Abbau von Schaltern sieht Rausch aber gelassen. "Wir wollen aus dem persönlichen Verkauf ja nicht aussteigen. Aber wir müssen unseren Fahrgästen zeigen, dass es gar nicht so schlimm ist, ein Ticket am Automaten oder im Internet zu kaufen." Seit 2001 ist der Erlös von Verkäufen in DB-Reisezentren von 51 auf 39 Prozent gesunken, gleichzeitig stieg der Anteil von Automaten-Fahrscheinen von 13 auf 22 Prozent. Das Internet legte von 0,9 auf über sechs Prozent zu."Vor 25 Jahren wurden auch Geldautomaten skeptisch gesehen." Karl-Friedrich Rausch

"Noch vor 2010 wollen wir einen Internet-Anteil am Fahrkartenerlös von über zehn Prozent erreichen", gibt Rausch als Devise aus. Als vor 25 Jahren in den Banken die ersten Geldautomaten aufgestellt wurden, habe es auch skeptisch geheißen: "Da soll ich mein Geld herbekommen? Heute wüsste ich gar nicht mehr, wo ich es sonst erhalten sollte."Neue Wachstumschancen sieht Rausch im Stadtverkehr mit Bussen, Tram- und U-Bahnen, wo die DB in liberalisierte Märkte stoßen will. Ein Marktvolumen von 9,3 Milliarden Euro ist eben verlockend. Und nicht zuletzt das Ausland: "Bereits heute machen wir 27 prozent unseres Umsatzes nicht mehr in Deutschland."

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