Konsum dämpft Wachstum

- Wiesbaden - Der schwache Konsum und ein Minus im Außenhandel haben die deutsche Wirtschaft zum Jahresende 2005 zum Stillstand gebracht. Im vierten Quartal blieb das Bruttoinlandsprodukt (BIP) real gegenüber dem Vorquartal unverändert. Das meldete das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden und bestätigte seine erste Schätzung. Allein die Investitionen der Unternehmen gaben der Wirtschaft noch Impulse. Von einer Stagnation sprechen Volkswirte aber nicht, weil das Schlussquartal auch wegen eines statistischen Effekts so schwach ausgefallen sei. Im Gesamtjahr wuchs die Wirtschaft wie erwartet um 0,9 Prozent nach 1,6 Prozent in 2004.

"Der Aufschwung bleibt intakt", berichtete die Deutsche Bundesbank. Für das laufende Jahr sei mit einer Beschleunigung des Wachstums zu rechnen. Die Bundesregierung erwartet 1,4 Prozent Zuwachs, führende Forschungsinstitute 1,5 bis 2,0 Prozent - das wäre das höchste Wachstum seit dem Boom des Neuen Marktes. Das schwache Ergebnis im vierten Quartal sehen Volkswirte gelassen, weil beim Vorquartalsvergleich die Bereinigung um die Feiertage im Dezember das Ergebnis statistisch unterzeichnet haben. Die Bundesbank erwartet, dass die Wirtschaft mit einem statistischen Überhang von 0,4 Prozent ins neue Jahr startet und der Zuwachs dann entsprechend höher ausfallen wird.

Die Wirtschaft hat zum Jahresende vor allem wegen des schwachen Konsums an Schwung verloren. "Das Wirtschaftswachstum der ersten drei Quartale von 0,6 Prozent, 0,3 Prozent und 0,6 Prozent hat sich zum Jahresende 2005 nicht fortgesetzt", berichteten die Statistiker. Die privaten Konsumausgaben schrumpften um 0,6 Prozent, die staatlichen um 1,6 Prozent. Dagegen investierten Unternehmen deutlich mehr Geld in Bauten als im Vorquartal (plus 1,2 Prozent) und auch etwas mehr in Ausrüstungen und sonstige Anlagen. Insgesamt trug die inländische Verwendung mit 0,2 Prozentpunkten zum Wirtschaftswachstum bei.

Dieses Plus wurde vom Außenhandel vollständig aufgefressen, der mit minus 0,2 Prozentpunkten das Konjunkturwachstum bremste und seine Rolle als Wachstumsmotor verlor. Zwar lief der Export weiterhin dynamisch. Doch der Wert der Importe stieg stärker (plus 1,1 Prozent) als der der Exporte (plus 0,5 Prozent). Volkswirte werten den Anstieg der Importe als Zeichen eines beginnenden Aufschwungs, weil im Inland mehr Güter benötigt werden. Dass die Wirtschaft an Schwung gewinne, zeigt auch der Vergleich zum Vorjahr mit plus 1,0 Prozent gegenüber dem vierten Quartal 2004.

Im Gesamtjahr 2005 hat die Wirtschaft wie erwartet um 0,9 Prozent zugelegt. Bereinigt um die Arbeitstage ist die Konjunktur somit 2004 und 2005 konstant um 1,1 Prozent gewachsen. Die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal wurde von rund 39,1 Millionen Erwerbstätigen erbracht, das waren oder 0,3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

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