Konsum springt an: Neue Autos sorgen für Schub bei Bestellungen

- München - Angstsparen, Konsumverweigerung, Überdruss: Es gibt viele Gründe, warum die Binnenkonjunktur lahmt. Doch jetzt gibt es erste Anzeichen für Besserung. Die Auto-Industrie registrierte ausgerechnet im Ferienmonat August ein Auftragsplus von 17 Prozent aus dem Inland.

<P>Vor allem neue attraktive Modelle der unteren Mittelklasse haben offenbar die Käufer aus der Reserve gelockt. Die A-Klasse von Mercedes drängt auf den Markt. Der neue 1er BMW wird ab nächster Woche ausgeliefert. Dann gibt es den fünftürigen A 3 von Audi. Mit dem VW-Golf und dem Opel-Astra haben jetzt fünf deutsche Hersteller neue Modelle dieser Größe auf dem Markt.</P><P>Es existiert ein Nachholbedarf beim Konsum, haben Experten immer wieder betont. Man fuhr das alte Auto ein Jahr oder gar zwei Jahre länger. Doch dann wird die Ersatzbeschaffung bei vielen immer dringlicher. Deshalb sind zweistellige Steigerungsraten gar nicht so überraschend. Zumal auch andere Daten auf eine Belebung der Binnennachfrage hindeuten. So meldet die chemische Industrie im zweiten Quartal einen Umsatzzuwachs im Inland von 3,4 %. Nach langer Zeit hat endlich auch wieder der Inlandsumsatz zum Wachstum beigetragen, stellte der Branchenverband VCI fest.</P><P>Im Verlauf des Sommers waren die Autokäufer noch zurückhaltend. So sanken die Neuzulassungen im August (die ja vorher bestellt werden mussten) um drei Prozent auf 222 000 Fahrzeuge. Bei Autos aus deutscher Produktion betrug der Rückgang sogar sieben Prozent, während Importfahrzeuge um fünf Prozent zulegten. Dafür gehen deutsche Autos im Ausland weg wie warme Semmeln: Mit 213 000 lag die Zahl der Exporte um 17 Prozent über dem Vorjahr.</P><P>Wieder einmal konnte sich ein Münchner Konzern vom Trend abkoppeln. Bei BMW lag bereits der August-Absatz im Inland um 20,6 Prozent über Vorjahresniveau. 19 202 Minis und BMW wurden verkauft. An der Spitze blieb trotz eines Rückgangs um drei Prozent der 3er mit 6870. Doch der 5er holt mit einem Plus von 25 % auf 5410 kräftig auf. Den dritten Platz im Konzern-Ranking nimmt der Mini ein. 1000 verkaufte Cabrios ließen die Zahlen um 31 % auf 2772 hochschnellen. Allerdings könnte dieser Platz gefährdet sein. Denn auch der 1er stößt, so Pressesprecher Michael Rebstock, auf ein "sehr hohes Echo". Zahlen zu Ordereingängen verschweigt BMW.</P><P>Den größten Sprung machte im August mit 65 Prozent Zuwachs der 7er auf 733 Auslieferungen. Auch damit stellen sich die Münchner gegen den Branchentrend. Denn Oberklasse ist nach einem Bericht des "Spiegel" Ladenhüter. Um 19,6 Prozent sei das Segment in den ersten sieben Monaten 2004 geschrumpft. Zum einen, weil die Firmen knausern und ihren Managern die Dienstwagen nur noch eine Klasse kleiner anböten. Doch viele Kunden kaufen sich lieber ein stark motorisiertes und gut ausgestattetes Mittelklassemodell. Dafür zahlt man zwar fast das Gleiche, fällt aber nicht gleich als Boss auf.</P><P>Der Ausflug von VW in die Oberklasse entwickelt immer mehr zum Flop. Der Phaeton-Verkauf ging in den ersten sieben Monaten 2004 um 22 Prozent auf 1517 Autos zurück. Dafür wollen die Wolfsburger im nächsten Jahr wieder zu den Wurzeln ihres Erfolgs zurück: mit dem Fox, einem preiswerten Kleinwagen für unter 10 000 Euro.</P>

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