Konsumflaute und Investitionsstau - Kaufhäuser stecken in der Krise

München/Düsseldorf - Die Hiobsbotschaften aus dem deutschen Einzelhandel reißen nicht ab. Nach Hertie und Wehmeyer ist auch Sinn-Leffers in schwere Turbulenzen geraten. An der Warenhaus-Krise sind die Unternehmen selbst nicht ganz unschuldig.

Die Probleme im Einzelhandel haben ihren Höhepunkt nach Einschätzung von Beobachtern noch nicht erreicht. Vor allem über den Kaufhausketten ballten sich dunkle Wolken, heißt es. Zuletzt waren mit Sinn-Leffers, Wehmeyer und Hertie drei frühere Töchter von Karstadt-Quelle in Zahlungsschwierigkeiten geraten.

"Die Warenhäuser stehen seit Jahrzehnten unter Druck. Ihr Marktanteil ist immer weiter auf nur noch 3,5 Prozent gesunken", sagt der Handelsexperte der Beratung A. T. Kearney, Mirko Warschun. Er erwartete eine weitere Konsolidierungswelle wie in den 90er-Jahren als Traditionshäuser wie Horten und Hertie untergingen - auch wenn Hertie als Marke wiederbelebt wurde.

Schuld an der Krise sind neben der Konsumflaute laut Warschun nicht zuletzt die Unternehmen selbst. Sie hätten zu lange an der Idee festgehalten, alles unter einem Dach anzubieten. In ihre Marke, Geschäfte und Sortimente hätten sie zu wenig investiert, deswegen fehle es nun an einem Ambiente, das zum Einkaufen verführe, so der Experte. "Bei den meisten Warenhäusern gibt es einen Investitionsstau."

Ähnlich sieht das Peter Breuer von der Unternehmensberatung McKinsey. "Die Idee des Warenhauses, das in lukrativer Innenstadtlage alles unter einem Dach bietet, hat in Deutschland Zukunft. An wie vielen Standorten, ist allerdings eine andere Frage", sagt er. Heute gebe es zu viele Standorte. Die Zahl klassischer Warenhäuser könnte sich deshalb in den nächsten Jahren deutlich verringern. Dabei leiden die Warenhäuser Breuer zufolge nicht nur unter dem Flächenüberhang im deutschen Einzelhandel, sondern auch unter der wachsenden Konkurrenz durch innerstädtische Einkaufszentren.

Die Todesglocken für die Warenhäuer zu läuten, halten die Experten dennoch für verfrüht. Das beweisen nicht zuletzt die vergleichsweise florierenden Premium-Warenhäuser wie das KadeWe in Berlin oder Ludwig Beck im ohnehin kaufkräftigen München. Beck beispielsweise hat sein Stammhaus am Münchner Marienplatz in den vergangenen Jahren zum "Kaufhaus der Sinne" ausgebaut und sein Sortiment stetig aufgewertet. Damit fährt das börsennotierte Unternehmen besser als der Branchendurchschnitt. "Bei uns ist die Welt in Ordnung", sagt Vorstand Dieter Münch.

Schwieriger ist die Situation für "normale" Warenhäuser. "Die breite Mitte ist eine Herausforderung", sagt Warschun. Die Kundschaft dieser Häuser setzt sich oft aus Konsumenten zusammen, "die genau rechnen müssen", wie es in der Branche heißt. Um sich am Markt behaupten zu können, müsste es ihnen gelingen, Einkauf und Distribution deutlich zu verbessern, sagt Warschun. Preisgestaltung und Aktualität der Ware müssten mit Konkurrenten wie H&M mithalten.

"Ich bin sicher, dass auch in zehn Jahren noch Platz für Warenhäuser auf dem deutschen Markt ist", sagt Peter Breuer. Schließlich gebe es auch Trends, die den Warenhäusern in die Hände spielen. Beispielsweise, dass die Innenstädte derzeit nach jahrelangen Verlusten wieder an Bedeutung gewinnen. 

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