Konsumklima kühlt ab

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Nürnberg (dpa) - Das Konsumklima in Deutschland hat sich weiter abgekühlt. Daher senkte das Marktforschungsinstitut GfK seine Prognose für das Wachstum des privaten Verbrauchs: Man erwarte für das Gesamtjahr nur noch einen Zuwachs von 0,6 Prozent, teilte die GfK in Nürnberg mit.

Bisher waren die Marktforscher von 1,0 Prozent ausgegangen. Der private Konsum ist die Abstand größte Säule des Bruttoinlandsproduktes. Im September zeigten sämtliche Einzelindikatoren der Verbraucherstimmung nach unten. Der Gesamtindikator für das Konsumklima sinkt von 7,4 Punkten im September auf 6,8 Punkte im Oktober.

Am Vortag hatte das Münchner ifo Institut für Wirtschaftsforschung bereits erste Wolken am Konjunkturhimmel ausgemacht: Der als einer der wichtigsten vorlaufenden Indikatoren geltende Geschäftsklima- Index fiel im September überraschend deutlich auf 104,2 (Vormonat: 105,8) Punkte.

Der GfK-Konsumforscher Dirk Mörsdorf sagte der Deutschen Presse- Agentur dpa, nach der Stagnation des privaten Konsums im ersten Halbjahr rechne man "zwar im zweiten Halbjahr mit einem wesentlich stärkeren Beitrag, den wir auf etwa 1,2 Prozent schätzen". Dennoch sei ein Anstieg des privaten Verbrauchs im Gesamtjahr um 1,0 Prozent nicht mehr erreichbar.

Aktuelle Belastungsfaktoren sind die Kreditkrise in den USA und steigende Preise für Lebensmittel. Auch der starke Euro, die hohen Energiepreise und die schwächere Konjunktur in den USA sorgten für mehr Skepsis bei den deutschen Verbrauchern. Als Konsequenz ging die Konjunkturerwartung um 7,7 Punkte auf 40,7 Punkte zurück. Sie bewege sich jedoch noch immer auf überdurchschnittlichem Niveau, hieß es. Angst davor, dass die US-Krise auch das europäische Finanzsystem in Mitleidenschaft ziehe, scheine nicht zu bestehen.

Die Einkommenserwartung ging um 6,9 Punkte auf 2,3 Punkte zurück, der niedrigste Wert seit Februar. Bei den Konsumenten sei zunehmend Ernüchterung spürbar. Mit Blick auf die Tarifabschlüsse werde allerdings deutlich, dass die gute Geschäftslage der Unternehmen sich auch auf das verfügbare Einkommen der Verbraucher auswirke. Auch die Entspannung am Arbeitsmarkt wirke positiv. Für Brisanz sorgten dagegen die Preiserhöhungen bei großen Lebensmittel-Discountern.

Die Kauflaune der Deutschen zeigte sich ebenfalls gebremst. Der Indikator Anschaffungsneigung sank von 6,4 Punkten auf minus 2,4 Punkte und liegt nach einem dreimonatigen Hoch wieder unter dem langjährigen Durchschnitt von Null. Zugleich sei die Sparneigung deutlich gestiegen. Bereits seit Jahresbeginn liege sie über dem Vorjahresniveau, sagte Mörsdorf.

Dafür gebe es mehrere Gründe. Viele Verbraucher hätten im vergangenen Jahr größere Anschaffungen getätigt, um die Mehrwertsteuererhöhung zu umgehen. "Jetzt muss der Sparstrumpf wieder aufgefüllt werden." Außerdem seien die Sparzinsen gestiegen. Schließlich spiele auch die jüngste Verunsicherung der Verbraucher wegen der US-Krise eine Rolle. "In Zeiten der Unsicherheit wird eher gespart."

Insgesamt reagierten die Konsumenten jedoch besonnen auf störende Einflüsse, hieß es. "Bleiben Stimmungsdämpfer wie eine deutlich schwächere Konjunkturentwicklung oder steigende Preise aus, sind die Chancen für eine positive Entwicklung des privaten Verbrauchs nach wie vor vorhanden", hieß es. "Die Verbraucher sind wesentlich besserer Stimmung als im vergangenen Jahr", betonte GfK-Experte Mörsdorf. "Man kann nicht sagen, dass der Aufschwung an den Bürgern vorbeigeht."

Für 2008 rechnet Mörsdorf mit einem spürbaren Beitrag des privaten Verbrauchs zum Wirtschaftswachstum. An die Politik appellierte der Marktforscher, die Bürger finanziell weiter zu entlasten. Dabei sei an den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung ebenso zu denken wie an den Solidaritätszuschlag. Für die GfK-Konsumklimastudie werden monatlich rund 2000 Verbraucherinterviews geführt.

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